14. Dezember 2017

An Niedersachsen wachsen

Den 3:1-Heimsieg gegen Hannover 96 können wir trotz einer schwierigen zweiten Halbzeit als ein gutes Zeichen nehmen. Bisher vier Punkte aus einer englischen Woche ergeben für das Jahresfinale am Sonntag bei den Dosen eine ansprechende Ausgangsposition: die Mannschaft kann relativ unbelastet schauen, was geht.

Mit der Aufstellung am Mittwoch haben die Betreuer jedenfalls zweierlei demonstriert: der Kader enthält tatsächlich Reserven, und die Entwicklungsarbeit wird nicht sofort beim ersten Widerstand zugunsten einer öden Seniorität oder Autorität unterbrochen. Die Formation gegen Hannover überzeugte in jeder Hinsicht: Ibisevic blieb auf der Bank und machte Platz für den zunehmend systemrelevanten Lazaro. Kalou brachte dem Team etwas von dem Charisma, beinahe würde ich sagen: Karma, zurück, das er an guten Tagen nun einmal hat.

Zudem erwies sich Pekarik als zweiter Mann des Abends neben dem doppelten Torschützen Kalou. Mit ihm und Weiser davor hatte Hertha in der ersten Halbzeit endlich wieder ein funktionierendes Spiel zumindest auf einer Seite, zudem mit Lazaro einen Mann, der den Seitenwechsel organisieren kann.

Das gilt auch für Arne Maier, der neben Lustenberger in der Zentrale spielte. Nach der Niederlage gegen Frankfurt, als er und Mittelstädt nach einer Stunde ausgewechselt wurden, musste man schon befürchten, dass Maier ein Opfer des größeren Drucks wird, unter dem auch die Betreuer zunehmend stehen. Hannover war ein wegweisendes Spiel, umso wichtiger ist, dass der hochinteressante Nachwuchsspieler gerade in so einer Situation das Vertrauen bekam - er spielte gut, wurde ein paar Mal auch hart gefoult, weil seine Wendigkeit im Mittelfeld eine große Bereicherung darstellt.

Dass Hannover schon in der ersten Halbzeit zahlreiche Eckbälle und auch Torchancen hatte, zeugte in diesem Fall von der Qualität des Gegners und nicht so sehr von Problemen in der Rückwärtsbewegung von Hertha - insgesamt verteidigte die Mannschaft dieses Mal ziemlich konzentriert, und Jarstein, der Unauffällige, konnte sich ein paar Mal auszeichnen. In der zweiten Halbzeit hätte das Spiel kippen können, aber auch mit Torunarigha (für den angeschlagenen Rekik) konnte der Schaden auf einen Gegentreffer begrenzt werden.

Die Formation von Mittwoch war wohl auch auf Balleroberung in der gegnerischen Hälfte hin konzipiert. Das Pressing von Hertha wirkt immer noch ein wenig unklar, aber mit Lazaro und Maier (und Weiser vor Pekarik) hat es doch eine ganz andere Qualität. Was die Spielgestaltung anlangt, deutete sich auch dieses Mal wieder an, dass Hertha sich latent als technisches Ensemble sieht: leider ist der tiefe Winter nicht die beste Jahreszeit für den eleganten Kombinationsfußball, der irgendwo in der Blau(weiß)pause dieses Spiels verborgen liegt, aber schon durchscheint.

3:1 gegen Hannover mit einer ziemlich jungen Formation (im Grunde nur vier Routiniers), das verschafft Hertha genau so viel Luft, um vielleicht noch eine Andeutung vor der Winterpause zu machen. Für die knapp 30.000 Zuschauer war es ein Abend unter widrigen Bedingungen. Aber mit den nun 21 Punkten im Gepäck kann man sich auch am Sonntag in Leipzig sehen lassen. Ich werde Teil einer austro-charlottenburgischen Fangruppe sein.


Eingestellt von marxelinho am 14. Dezember 2017.

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