28. Mai 2018

Bonusmaterial

Sonntagnachmittag gab es in meinem Heimkino einen Saisonhöhepunkt. Es war zugleich ein kleines Geschenk, ein Bonusmaterial zum Trost nach einer sportlich nicht gerade begeisternden Saison für Hertha BSC: Die U19 schaffte "Historisches" (Arne Maier) und wurde erstmals deutscher Meister - in einem Finalspiel gegen Schalke 04, ausgetragen in Oberhausen, also eher auswärts.

Erstaunlich, wie schnell man mit so einer Mannschaft vertraut wird, die ich erst im Halbfinale gegen den BVB zum ersten Mal so richtig als Ensemble wahrgenommen habe (als Pool der 1999er kannten wir sie natürlich schon ein wenig, mit Maier, Kade, Baak). In mancherlei Hinsicht verkörpert die Mannschaft von Michael Hartmann einen Entwurf, den man den Profis ohne Weiteres auch anbieten könnte: denn zumindest ein bisschen was von der Dynamik, die hier immer wieder zu sehen ist, würde der ersten Elf nicht schaden.

Im Nachwuchsbereich geht es ja wie in allen Bereichen des Lebens auch ständig darum, eine gute Balance zu finden: zwischen taktischer Ausbildung und "naturwüchsigem" Talent, zwischen Teamarbeit und Eigeninitiative. Die U19 ist in der Konstellation von Sonntag eine spannende Skizze für eine mutigere Hertha auch im Profibereich.

Den Titel holten die "Bubis", wie sie sich in den sozialen Netzwerken ironisch nennen, allerdings mit pragmatischen Mitteln. So blieb Jastrzembski anfangs auf der Bank, was wohl auch mit der Verletzung von Baak zu tun hatte, er wurde durch Kastrati vertreten, der mehr als Jahr jünger als die meisten Kollegen ist. Hartmann setzte auf ein stärkeres Mittelfeld zur Absicherung, Arne Maier spielte damit weiter vorn, als man ihn im Oly meistens zu sehen bekam.

Die beiden Treffer in der ersten Halbzeit fielen nach Standards. Hertha hatte das Spiel nicht gerade unter Kontrolle, Schalke gelang aber erst nach der Pause der Anschlusstreffer, schließlich traf Arne Maier mit einem abgefälschten Weitschuss entscheidend.

Die Übertragung war großartig, sie hatte etwas Familiäres, Pal Dardai war tatsächlich mit seiner Frau angereist und bemühte sich keineswegs um professionelle Distanz. Hertha hat vor der Sommerpause noch einmal von sich reden gemacht. Nun müssen das die Spieler individuell tun - das wird schwer genug werden für sie, und für Leute wie mich gibt es eine neue Beobachtungsmenge. Ich werde mich auch dafür interessieren, wie es mit Leuten wie Max Mulack oder Panzu Ernesto weitergeht - und mit der Fußballdynastie Dardai.

Die Spannung zwischen Samstag (Champions League) und Sonntag (Nachwuchs) macht den eigentlichen Reiz des Fußballs aus. Was dazwischen liegt, sind Geschichten. Im Idealfall wird aus den Geschichten etwas Historisches. Damit hat Hertha am Sonntag im Kleinen begonnen.


Eingestellt von marxelinho am 28. Mai 2018.
Keine Kommentare