26. Januar 2018

Ein Foto bei Gelegenheit

Zum Leben eines Fans gehören auch die "photo opportunities". Manche sammeln Selfies mit Stars, ich mache das nur selten, weil ich selten Selbstbildnisse mache. Einmal habe ich in Amsterdam auf dem Flughafen Rivaldo gesehen, der auf einer Fahrtreppe an mir vorbeifuhr. Ich hätte ihm nachlaufen sollen, denn er ist für mich ein Fußballgott, und er wirkte auch wie einer - eine imposante Erscheinung, die gerade deswegen ein wenig surreal daherkam, weil ich seine Beine nicht sehen konnte. Er wurde an mir vorbeigeschoben wie eine Statue.

Im Sommer 2006 war ich gerade in der Stadt unterwegs, als ich eine Textnachricht von meiner damaligen Lebensgefährtin bekam. "Arsene Wenger in Galeries Lafayettes! Get going!" Damals hatte ich noch eine sehr hohe Meinung von dem Trainer von Arsenal, der wegen der WM in Deutschland war (es war der Sommer des Sommermärchens). Ich tat mein Bestes, um so schnell wie möglich aus Kreuzberg in die Friedrichstraße zu kommen (zwischendurch kamen weitere Nachrichten: "He's in shorts. His legs are so thin - amazing", "I think he's buying underwear" - meine Lebensgefährtin, eine gebürtige Kanadierin, teilte damals meinen Premier League-Fimmel, achtete aber auch auf andere Dinge).

Mit Arsene Wenger hätte ich damals sehr gern ein Foto gemacht, aber ich kam zu spät. Heute würde ich mich dafür eher genieren. Ich erzähle das alles, weil ich am Donnerstag im Martin Gropius-Bau ein Foto mit Salomon Kalou gemacht habe. Eine befreundete Kollegin vom tip hat das für mich erledigt. Die Gelegenheit ergab sich am Rande einer Veranstaltung, in der Kalou über sein Leben sprach - es war einer dieser typischen Motivationstalks, bei denen es nicht so sehr darauf ankommt, was genau gesagt, sondern wie es herüberkommt.

Und Salomon Kalou hat da eine sehr gute Figur gemacht. Ich wäre wohl gar nicht hingegangen, wenn er mir nicht zuletzt zunehmend zu imponieren begonnen hätte - als Spieler in der Mannschaft, als Führungsfigur, die kein großes Aufhebens von sich macht. Im Gropius-Bau sprach er einfach und überzeugend von seinen Erfahrungen in der Kindheit in Afrika und bei den verschiedenen Stationen als Fußballer in Europa.

Als ihn dann jemand fragte, auf welcher Station seines Karriere er sich am besten gefühlt hätte, nannte er Hertha BSC und Berlin, und es klang auch deswegen überzeugend, weil er dafür einen einfachen Grund nannte (immerhin hat er mit dem FC Chelsea die Champions League gewonnen, konnte also auch andere Momente anführen): Der Salomon Kalou, der derzeit in Berlin (und heute Abend in Bremen) zu sehen ist, ist im besten Sinne gereift. Er weiß mehr über das Leben, über den Fußball und über die Welt.

Und das sieht man auch seinem Spiel an, das natürlich, wie das der ganzen Mannschaft, "in Ausbildung" ist, das aber insgesamt im besten Sinne vorbildlich ist. Es zählt zu den Verdiensten von Pal Dardai, dass er Kalou in Berlin eine Perspektive geboten hat, die ihn auch persönlich sehr zu befriedigen scheint. Als ich ihn da so sprechen sah im Gropius-Bau, da war ich stolz, dass Salomon Kalou in Berlin und für Hertha spielt. Stolz, wie halt ein Fan manchmal stolz ist - wir tun ja nichts dazu, außer ein wenig Energie, und zwar am liebsten positive. Mir kommt vor, man kann ein wenig von all dem auf dem Foto sehen.



MGB Perspektive: Wie ich wurde, was ich bin (Veranstaltungsreihe)
Eingestellt von marxelinho am 26. Januar 2018.

1 Kommentare

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von Natalie Keil (am 29. Januar 2018)
Amor! <3 Alles gesagt.