17. August 2019

Emotionale Erkenntnisse

Dreimal habe ich Hertha jetzt schon in der Allianz-Arena in München gesehen. Gestern Abend war mit Abstand das beste dieser drei Erlebnisse. Mit dem Spiel und dem Ergebnis hat das nur bedingt zu tun, dazu war der Stadion-Effekt einfach zu stark. Für eine konzentrierte Wahrnehmung waren die Bedingungen nicht ideal. Dafür hatte ich eine Fan-Erfahrung par excellence: hoch oben am Rand des Hertha-Blocks, ein Bad in blauweißer Energie, und mit diesem Taktikblick, bei dem das Spiel auf dich zukommt oder sich von dir entfernt.

Beim ersten Mal vor vielen Jahren waren wir eine Stunde lang in der prallen Sonne gesessen und bekamen vom Spiel fast nichts mit. Beim zweiten Mal war ich allein an einem bitterkalten Winternachmittag und sah eine chancenlose Hertha. Gestern erst erlebte ich, was dieses Stadion kann: eine Komprimierung von Leidenschaft, die umso stärker ist, je höher oben man sitzt.

Natürlich habe ich vom Spiel dann doch eine Menge mitbekommen. Im Olympiastadion sitze ich mit Feldherrenblick in der Nähe der Mittellinie. Gestern spielten die Bayern in der der ersten Halbzeit auf unsere Hälfte, wir standen hinter Jarstein, und hinter einer Defensive, die manchmal vor unlösbaren Aufgabe zu stehen schien. Jedenfalls dann, wenn im Mittelfeld der Ball durch einen Hackentrick verloren geht.

Ich habe nachgesehen, und festgestellt, dass der Rasen in Berlin wie in München die gleichen Ausmaße hat: 105 x 68 Meter. Gestern wurde mir klar, wie breit so ein Feld ist. Obwohl Hertha mit einer Art Fünferkette antrat, gab es zahlreiche Koordinationsprobleme, aber auch viele tolle Momente, in denen im letzten Moment ein Tackling gelang.

Man kann wohl sagen, dass Hertha gestern eine strategische Selbstbescheidung gewählt hat: Unter Pal Dardai war vor allem das Auswärtsspiel vor wenigen Monaten ein Versuch, mit kultiviertem Ballbesitzspiel die Sache so weit zu beruhigen, dass ein gepflegter Abtausch von Chancen vielleicht zu einem Erfolg führen könnte. Ante Covic hingegen setzte auf lupenreinen Konterfußball, und ging doch hinten eine Menge Risiko. Denn gerade die linke Defensivseite von Hertha hatte mächtig zu kämpfen.

Das werde ich mir alles in den nächsten Tagen noch einmal in Ruhe ansehen. Wenn der erste Gegner in der Saison die Bayern sind, kann man mit "Erkenntnissen" gern noch ein wenig warten. Das war ein emotionaler Einstieg in die Saison 2019/2012. "Zum Rückspiel kommen wir dann mit Coutinho", texte gestern ein Freund. Ich könnte mir vorstellen, dass Lukas Klünter nach dem gestrigen Abend sich darauf freut.

Eingestellt von marxelinho am 17. August 2019.

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