19. Juni 2009

Gordon Stipic

Ich lese gern Zeitung, auch wenn ich weiß, dass gerade jetzt im Sommer die Geschichten aus der Fußballwelt mit großer Vorsicht zu genießen sind. So stand zum Beispiel neulich irgendwo, dass Coach Favre nicht so recht glauben mag, dass Josip Simunic noch einmal eine so gute Saison spielen kann wie die gerade abgelaufene. Was immer da genau und in welchem Kontext gesagt wurde (und wer was durchsickern ließ): Die Misstrauenserklärung kam als solche bei Simunic an, und sein Berater Gordon Stipic hat nun auch gleich erklärt, dass das Vertrauensverhältnis zerstört sei.

Der Coach hätte damit binnen weniger Wochen seine zwei angestammten Innenverteidiger gegen sich aufgebracht, den nominellen und den gefühlten Captain, Friedrich und Simunic. Knapp zwei Wochen sind noch Zeit, um für den Kroaten einen neuen Verein zu finden, der die festgeschriebene Ablöse von sieben Millionen Euro bezahlen würde. Stipic zielt mit seiner Aussage klarerweise darauf ab, dass Hertha da eventuell noch nachgeben wird müssen, nun, da sie sich so blöd positioniert hat bzw. da sie von der Journaille so rücksichtlos positioniert wurde.

Klarerweise kann der Verein nicht jetzt einfach sagen, wen er am liebsten verkaufen würde. Das Problem ist viel älter: Hertha hat ohne Not der ganzen Welt bekanntgegeben, dass sie einen Transferüberschuss von fünf Millionen erwirtschaften muss. Diese Zahl ist seither heraußen, und jeder Fan, jeder Journalist, jeder Berater rechnet sich sein Modell schön - zehn Millionen für Raffael von Lyon macht vier Millionen Ablöse für den Chilenen Barros, zehn Millionen für Kacar würde bedeuten, dass Simunic gehalten werden kann (der aber nicht mehr will).

Es gibt übrigens gute Gründe, die Leistungen von Josip Simunic in der vergangenen Saison gelassen zu analysieren. Er war oft sehr gut, ein echter Leader, er hatte aber in kritischen Situationen auch Glück (auswärts in Wolfsburg entkam er der roten Karte nur mit Glück), und in wegweisenden Spielen (in Stuttgart vor allem) sah er nicht gut aus. Ich mag ihn sehr, aber ich sehe auch, dass ein Innenverteidiger mehr Varianten der Spieleröffnung haben kann als Simunic, und dass seine Motivation ein wenig gelitten haben mag im Mai 2009.

Der Coach hat also vermutlich einfach gesagt, was Sache ist: Wenn jemand sieben Millionen zahlen will, dann kann die Hertha sowieso nichts tun, und ersetzen wird sie ihn wohl oder übel können müssen und vielleicht sogar wollen, weil Kacar und Raffael mittelfristig noch wertvoller werden könnten.

Eingestellt von marxelinho am 19. Juni 2009.

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