28. September 2018

Jubel, Dusel, Weiterkeit

Neulich in Wolfsburg lagen nur ein paar Sekunden zwischen der Jubeltraube nach dem Freistoß von Duda und der Ernüchterung nach dem prompten zweiten Gegentreffer. Zwischen dem beglückenden Sieg über Gladbach und dem Anstoß am vergangenen Dienstag in Bremen lagen keine 75 Stunden, auch das eine kurze Spanne, und entsprechend ernüchternd war dann die erste Niederlage in der Saison.

Ich musste mir das Spiel in der Konserve anschauen. 18.30 sollte für die meisten Menschen schon Feierabend sein, für einen Freiberufler wie mich sieht das anders aus - übrigens hatte ich ein wirklich starkes Konkurrenzprogramm: eine Pressevorführung von The House That Jack Built, dem neuen Film von Lars von Trier. Auf dem Heimweg, bei dem mich die BVG wieder einmal zu einem Bummeltrip verurteilten, sah ich dann schon das Resultat und war an dem Abend nicht mehr motiviert, mir das Spiel anzuschauen. Ich sah dann lieber Freiburg dabei zu, wie die Truppe des Rinderbarons ins Leere laufen ließen.

Inzwischen habe ich mir von der Niederlage in Bremen ein Bild gemacht. Das Spiel war alles andere als eindeutig. Wenn Plattenhardt den Elfmeter nicht verursacht, ist ein Ausgleich für Hertha absolut drin. Und es spricht für die veränderte Grundstimmung und auch -konzeption, dass die Mannschaft selbst mit einem 0:2 zur Pause noch absolut im Spiel ist.

Allerdings war das ganze Spiel von engen Situationen geprägt, und in diesen Situationen hatte Bremen sehr oft (und letztlich entscheidend) das bessere Ende. Beim 0:2 ist das deutlich. Der Eckball kommt überhaupt nur zustande, weil Plattenhardt sich (wie mehrmals an diesem Abend) ganz leicht überspielen (überlaufen) lässt. Der Zweikampf im Fünfer ist für meine Begriffe grenzwertig, wurde aber zu Gunsten des Torschützen entschieden. Vergleichbare Momente gab es immer wieder.

Insgesamt fehlte die Balance. Arne Maier rückte eine Position nach vorn, war im Spiel aber häufig zu weit vorn, eine Folge wohl auch der Bremer Raute, die dafür sorgte, dass Hertha keinen Zugriff bekam: Duda, Maier, Plattenhardt, Lazaro und schließlich Lustenberger liefen oft hinterher. Hertha war aber sowieso in den ersten Spielen auch schon nicht unverwundbar, es kamen viele gefährliche Bälle vertikal auf die Viererkette zu. Die vielen Elfmeter sind nicht nur kurios, sondern auch Indizien.

Die Verletzung von Grujic schmerzt mehr, als es uns lieb sein kann. Aber das ist Fußball. So war es schon mit Duda vor zwei Jahren, und so ist es derzeit mit Darida, über den kaum jemand ein Wort verliert in diesen Tagen. Wir freuen uns über einen großartigen Transfer, und Patrick Hermann tritt ihn für eine Weile aus der Liga.

In das Bayern-Spiel heute Abend wird die Mannschaft ernüchtert gehen. Es gibt aber keinen Grund, von vornherein die Waffen zu strecken. Mit Dilrosun und vermutlich Selke gibt es zwei Zielspieler, dazu wird wahrscheinlich Kalou wieder für Verzögerungen und Beschleunigungen sorgen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Coach Mittelstädt einbaut.

Denkbar wäre diese Formation: Jarstein/Kraft. Rekik - Lustenberger - Stark. Plattenhardt - Duda - Maier - Kalou - Lazaro. Mittelstädt - Selke - Dilrosun. Der Kapitän hat zuletzt stark gespielt, heute wäre die ideale Gelegenheit für eine Pause. Bleibt immer noch ein bisschen die Frage der Balance - was macht man gegen Alaba/Riberty? Vielleicht doch mal wieder mit Pekarik und dafür Kalou opfern? Nur auf Tempo beim Umschalten würde ich nicht setzen. Kalou hat Intuition, das ist gegen Bayern viel wert.

Freitag 20.30 bei Flutlicht hat Hertha das erste von zwei Freispielen. So hätte ich das noch im Vorjahr geschrieben, doch inzwischen bin ich guten Mutes, dass heute eine konkurrenzfähige Mannschaft antreten wird.


Eingestellt von marxelinho am 28. September 2018.

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