04. September 2021

Kommentar von Uwe Bremer

Lieber Marxelinho,

das Thema "was Hertha mit den Windhorst-Millionen angestellt" ist ein sehr spannendes.

Um bei der Beurteilung zu helfen, verweise ich auf die öffentlich zugänglichen Quellen, die es (über die Ausführungen in Ingo Schiller bei Mitgliederversammlungen hinaus) gibt. So muss Hertha wegen der Aufnahme der 40-Millionen-Anleihe (Nordic Bond) seit Anfang 2019 alle sechs Monate seine Zahlen im Detail offenlegen. Die finden sich auf der Homepage von Hertha auf der Startseite (ganz unten "Nordic Bond").

Zur Chronologie:

Mai 2019: Finanzchef Schiller teilt mit, dass Hertha im Fall von Transfereinnahmen im Sommer, nur einen Teil in die Mannschaft reinvestieren kann (meint: mit dem anderen Teil müssen Schulden beglichen werden).

27. Juni 2019 Hertha gibt bekannt, dass Investor Windhorst dem Verein 125 Millionen Euro überwiesen hat.

August 2019 Hertha sticht im Rennen um Dodi Lukebakio Borussia Dortmund aus. Die Berliner legen ein XXL-Angebot vor und verpflichten den Stürmer für ein Paket (Ablöse, Handgeld, Gehalt), das Hertha ohne Investor nie hätte zahlen können. Lukebakio ist der erste Griff von Preetz in ein Regal, in dem sich Hertha zuvor nicht bedienen konnte.

Weil das Thema angesprochen wurde, dass Hertha mit den wohl noch Altlasten bezahlen musste:
Im Prospekt für den Nordic Bond im November 2018 hat Hertha neben hohen Bankverbindlichkeiten ausgewiesen, dass es weitere Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 25,85 Mio. Euro gibt.

Die haben sich angesammelt zwischen 2007 und 2017. Diese 25,85 Mio. Euro wurden vereinbart mit

- F.U.G.E. Beteiligungen GmbH & Co KG
- R.T.F. GmbH & Co Kg
- Dual Voltage

Die ersten GmbHs waren in Berlin ansässig, die dritte in der Schweiz. Hertha wollte nie sagen, wer  Geld gegeben hat ("Es handelt sich um in Deutschland steuerpflichtige Bürger"). Laut Handelsregister werden die Beteiligungen von Rechtsanwälten/Notaren gehalten. Spricht man mit ihnen, erklären sie: Sie seien nicht befugt mitzuteilen, für wen sie die Anteile halten.

Es gab immer Spekulationen, dass hinter den  ersten beiden Gesellschaften der Präsident/Freundeskreis stehen könnte - belegen läßt sich dies' nicht

Wer immer von 2007 bis 2017 gezahlt hat, durch die Windhorst-Millionen wurde zurückgezahlt. So wurden die Genussscheine von F.U.G.E. (acht Mio. €) drei Tage nach Eingang der ersten Tennor-Rate "passiviert".

Hertha-Zahlen 30. Juni 2019 (also nach Eingang der Windhorst-Tranche)

- Capital reserve  123,44 Mio. €
- Loss carryforward -110,38 Mio. €
- Verbindlichkeiten 91,62 Mio. € (davon 40 Nordic Bond, 20 Bank, other liabilities 22,93)

Hertha-Zahlen 30. Juni 2020

(wir erinnern uns: Mittlerweile hatte Windhorst weitere Tranchen überwiesen, dazu Corona)

- Capital reserve 221,4 Mio. €
- Loss carryforwart -136,4 Mio. €
- Jahresverlust -53,5 Mio. €
- Verbindlichkeiten 141,67 Mio. €

Die letzten vorliegenden Zahlen:

Hertha 31.12.2020

- Capital reserve 221,4 Mio. €
- Loss carry forward -189,87 Mio. €

- Verbindlichkeiten 121,33 Mio. €


Corona-Auswirkungen für 2020/21:

- net loss erste sechs Monate -32,66 Mio. €

Erwarteter Verlust für 2. Hälfte: - 25,8 Mio. €

Wenn so kommt, addiert sich das Saison-Minus 2020/21 auf 58,4 Mio. €

P.S. Quellen zum Zahlen-Gewitter (jeweils als PDF):

Prospekt zur 40-Mio-€-Anleihe (Nordic Bond) vom 6. November 2018

Hertha-Jahresabschluss 1. Juli bis 31.12.2018

Hertha-Abschluss 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019


Hertha-Abschluss 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2020

Hertha-Jahresabschluß 1. Juli 2020 bis 31. Dez. 2020

Eingestellt von marxelinho am 4. September 2021.

0 Kommentare

Kommentieren