09. März 2019

Nächste Schritte

"Zwei ähnliche Mannschaften" treffen heute in Freiburg aufeinander - so hat Pal Dardai das Auswärtsspiel von Hertha BSC an diesem Wochenende eingeordnet. Freiburg hat acht Punkte weniger und zweimal öfter verloren, es geht heute also auch ein bisschen darum, ob sich die Liga ein bisschen weiter entzerrt, oder ob ein kleiner Mittelfeldpulk entsteht. Zur Entzerrung käme es im Fall eines Sieges von Hertha.

Der Coach hat auch auf einen Unterschied hingewiesen: "Eins ist klar, die Mannschaft (von Freiburg) läuft deutlich mehr als wir." Das muss aber nicht immer viel bedeuten. Gegen Bayer 04 lief Freiburg fast 129 Kilometer, verlor aber 0:2. Gegegen Augsburg gewann Freiburg 5:1, und lief dabei acht Kilometer mehr als der Gegner. Noch eine interessante Ziffer: Bei Bayern gegen Hertha stand es am Ende nach Laufleistung nahezu aufs Komma unentschieden (117,96 gegen 117,98), in diesem Fall geht aus der Statistik tatsächlich etwas hervor, nämlich wie knapp das Spiel in München war - oder wie neutralisiert.

Sollte Hertha mehr laufen? Man kann den aktuellen Wert (nur Schalke lief in den ersten 24 Runden weniger als Hertha) auch einfach als Indiz für eine Tendenz nehmen: das Spiel von Hertha geht in dieser Saison deutlich mehr durch die Mitte, in der letzten Zeit kam das Flügelspiel nahezu vollständig zum Erliegen, auch wegen Verletzungen. Dazu kommt eine Neigung zum Paarlauf im Spiel gegen den Ball, hohes Pressing ist eher selten, auch das verkürzt insgesamt die Wege. Man könnte auch sagen: Hertha spielt recht ökonomisch.

Das kann sich die Mannschaft auch deswegen leisten, weil die technische Qualität gestiegen ist. Die Spieler gehen souveräner mit dem Ball um, schirmen ihn gut ab, lassen sich seltener vom Ball trennen. Gegen die Bayern brachte das zum Teil ganz schön lange Passfolgen, die aber auch deswegen nicht unterbunden wurden, weil sich beide Mannschaften dabei ausruhten.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Hertha die eigenen Fähigkeiten nicht wirklich erprobt. Ich kann mich an keinen Kader erinnern, in dem mehr spielerische, taktische, technische Qualität vorhanden gewesen wäre, in der Breite - nicht einmal in den Zeiten von Marcelinho, Gilberto und Bastürk gab es eine ähnlich ausgeglichene Personalsituation. Angesichts dieses Umstandes sind die Leistungen oft ein bisschen zu verhalten. Hertha könnte dieses Jahr mehr - nicht unbedingt in die Champions League stürmen, aber doch ein wenig deutlichere Ambitionen zeigen.

In Kilometern ergibt das vermutlich keinen großen Unterschied, allenfalls könnten die einsamen Außenläufer ein wenig mehr Unterstützung brauchen. Vermutlich wird es heute wieder ein 3-5-2 oder 5-3-1-1 geben, manches wird dabei tatsächlich davon abhängen, wie sehr Grujic und Maier ins Laufen kommen. Freiburg wird gerade das natürlich zu unterbinden versuchen. Bei Grujic sieht man im Übrigen, dass das mit dem Laufen auch etwas sehr Individuelles ist: er macht eigentlich gar nicht so wenig Kilometer, aber es sieht bei ihm oft so aus, als schleppe er nur den Ball ein wenig durch die Gegend. So ganz locker.

Hertha muss sich heute in jedem Fall einen Sieg vornehmen, um das Saisonziel nicht zu gefährden: der Abstand zu Platz 10 ist kleiner als der zu Platz 6. Wir sind nun in der schönen Phase mit den "schönen Zielen" (Pal Dardai). Auch ein Saisonverlauf ist eine Laufleistung, und Hertha könnte da durchaus noch für eine Überraschung sorgen.

Eingestellt von marxelinho am 9. März 2019.

0 Kommentare

Kommentieren