12. Mai 2019

Oldies but Oldies

Acht Punkte aus den letzten vier Spielen für Hertha BSC: Fast könnte man meinen, die beste Lösung wäre ein Rücktritt vom Rücktritt. Also doch mit Pal Dardai in die neue Saison? Eine ernsthafte Option kann das nicht sein, und es ist wohl auch besser so.

Hertha hat gestern Augsburg mit 4:3 geschlagen. Es war ein verdienter Sieg, in dessen Details es allerdings ein wenig chaotisch zuging. Es brauchte auch einen sehr späten, "weichen" Elfmeter. Hertha agierte insgesamt dominant, so richtig umkämpft wirkte das Spiel im Fernsehen aber nicht. Eher müsste man sagen, dass der Faktor Kompaktheit in den Untiefen des tabellarischen Niemandslands verschwand.

Es ging für beide Mannschaften um nichts mehr, und defensiv zeigten sie das auch: Lustenberger, Rekik, Duda boten freies Geleit zu Gegentoren, Rekik legte sogar Hand an. Die Spielzüge von Augsburg trugen große Fragezeichen über das Feld: sind wir hier in einem Wettbewerbsspiel der deutschen Fußballbundesliga?

Es ist weitgehend dem Umständen geschuldet, fällt aber doch auf, dass der scheidende Chefcoach hinten hinaus noch einmal stark auf die Veteranen setzt: Skjelbred wird gebraucht, keine Frage, Lustenberger auch, Kalou ist unverbrüchlich Stammspieler (wenn auch schon lange keine scharfe Waffe mehr), und Ibisevic ist wieder ganz klarer erster Mann in der Offensive.

Das bedeutet umgekehrt ein demotivierendes Saisonende für Davie Selke, und in ähnlicher Form für Dilrosun und Torunarigha. Das sind drei Positionen, über die sich ein künftiger Cheftrainer schon einmal Gedanken machen kann. Gestern haben wir auch ein paar nicht ganz uninteressante Minuten mit Pascal Köpke gesehen, auch er wird sich über die Hierarchie im Angriff in der nächsten Saison Gedanken machen. Denn Vedad Ibisevic wird dann auch noch da sein. Sein Vertrag wird verlängert.

Dardai muss sich über all das keine Gedanken mehr machen. Für die Kaderplanung sind das aber wichtige Punkte. Vielleicht sehen wir ja gegen Bayer 04 im letzten Spiel dann noch eine etwas stärker in die Zukunft gedachte Formation, allerdings wird Pal Dardai nach dem Sieg in Augsburg vermutlich Argumente für sein  Motto Oldies but Oldies sehen. So ist das auch eines der Ergebnisse dieser Saison: zwei der größten Begabungen (Selke und Torunarigha) sind am Ende immer noch strukturell zweite Wahl.

Da es für Leverkusen am kommenden Samstag noch um viel gehen wird, dürfte sich ein ähnlich irreales Spiel wie gestern in Augsburg nicht wiederholen. Und schließlich müssen die Verantwortlichen am Sonntag in der Mitgliederversammlung ihr Blatt zeigen: die Trainerfrage wird dann zu einem Appendix des Geschäftsberichts.

Eingestellt von marxelinho am 12. Mai 2019.

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