30. Dezember 2019

Same New Arsenal

Eine halbe Stunde lang hatte die Premier League gestern Nachmittag ab drei eine neue Attraktion: den Arsenal FC. Wer einnert sich noch? Kurzpassmythos, Offensivspektakel, eine Saison ohne Niederlage, das war 2003/2004, das ist inzwischen die Bankmarke, die Liverpool auf dem einsamen Weg zum Titel 2020 noch interessieren wird.

Es war das zweite Spiel unter dem neuen Trainer Mikel Arteta, das erste Heimspiel, das Derby gegen Chelsea. Eine halbe Stunde lang dominierte Arsenal nach Strich und Faden, mit Mesut Özil im Zentrum einer begeisternden Leistung, mit dem jungen Reiss Nelson auf rechtsaußen, mit Torreira im zentralen Mittelfeld, und  mit dem 18 Jahre altemn Bukayo Saka als linkem Außendecker, weil Tierney und Kolasinac verletzt sind. Eine Notelf, die spielte wie ein Titelkandidat.

Nach dem frühen Führungstreffer durch Aubameyang passierten in der ersten Halbzeit noch zwei Dinge: Calum Chambers musste verletzt ausscheiden, das war der erste Bruch. Dann wechselte Frank Lampard noch vor der Pause Jorginho ein, das war der zweite Bruch.

Arsenal hielt dann noch fast die ganze zweite Halbzeit gut dagegen, kam aber nicht mehr ins Spiel. Zwei späte Tore (das erste nach einem Fehler von Leno bei einer Freistoßflanke, das zweite nach einem Konter) drehten das Spiel.

Der größte Talking Point war danach die Frage, ob Jorginho wegen eines taktischen Fouls eine zweite gelbe Karte hätte sehen müssen. Die Antwort ist eindeutig: selbstverständlich. Allerdings hatten die Spieler von Arsenal, allen voran Guendouzi, von Beginn an andauernd gelbe Karten für Chelsea reklamiert, und zwar so aggressiv, dass Pawson in diesem Moment wohl aus Protest auf die fällige Sanktion verzichtete. Jorginho erzielte später den Ausgleich. Guendouzi war gestern das ganze Spiel hindurch an der Grenze. Er ist einer der Hoffnungsträger von Arsenal, inzwischen hat er allerdings auch schon einige Erfahrung, und er sollte schon ein bisschen besser mit seiner Motivation umgehen können.

Spannender ist die Frage, ob Arteta das Spiel in der zweiten Halbzeit aus der Hand gab, weil er zu spät und falsch wechselte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Arsenal am Mittwochabend auch noch gegen Manchester United spielen muss. Schon gegen Chelsea waren einige Spieler nach einer Stunde am Limit. Arteta hatte (nach dem erzwungenen Wechsel in Halbzeit eins) noch zwei Optionen. Er entschied in meinen Augen ungeschickt: Er hätte Willock eher für Guendouzi als für Özil bringen müssen (und deutlich früher), und er hätte Pepe auch eher schon um Minute 60 bringen müssen, am besten für Lacazette.

Das eigentliche Drama war dann das zweite Gegentor: Arsenal drängt nach dem Ausgleich auf einen Siegestreffer. Guendouzi verliert am gegnerischen Strafraum ein Duell, und nun läuft der Konter. Nicht mehr hinterher kommt der junge Saka, der davor schon entweder einen Krampf oder eine kleine Muskelverletzung angedeutet hatte. Saka war für mich einer der Spieler des Spiels, er spielte als Notbesetzung und gemeinsam mit dem gestern lange großartigen, nachgerade väterlichen Aubameyang eine starke Rolle auf der linken Seite. Nun humpelte er mehr oder weniger zurück. Arsenal hatte nicht nur nichts mehr zuzusetzen, sondern war de facto auf Shkodran Mustafi reduziert.

Hier ein brillanter Text aus dem Guardian über den "Fatalismus" von Arsenal. Gegen ManU am Mittwoch wird das ein ganz harter Gang. Arteta aber hat angedeutet, dass er die Mannschaft aus der Apathie geholt hat. Granit Xhaka wird dabei wohl keine Rolle mehr spielen. Er war gestern nicht im Kader, offiziell war er krank, sein Befund lautet wohl: Tennor BV.

Eingestellt von marxelinho am 30. Dezember 2019.

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