20. Januar 2018

Startelf und Stammelf

An den Auswechslungen kann man meistens ganz gut erkennen, was eine Mannschaft (und ihr Betreuer) von einem Spiel noch will. Gestern im Heimspiel gegen den BVB war das allerdings gar nicht so klar. Es stand 1:1, eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam Leckie für Duda, und der Slowake schien selbst nicht ganz zu wissen, ob er das Feld gemächlich oder in einer Stimmung der Dringlichkeit verlassen sollte. Ein paar Minuten folgte das gleiche Procedere mit Darida für Kalou, was man dann immerhin schon als einen eher defensiven Wechsel sehen konnte - oder als Vorgriff auf eine neue Jobbeschreibung für Darida, von dem ja erst einmal deutlich werden muss, wo der denn im Mittelfeld künftig hingehören könnte.

Es blieb dann beim 1:1. Hertha hatte hinten hinaus sogar noch Glück, hätte aber insgesamt mit ein bisschen Geschick auch gewinnen können. Der BVB ist in seiner derzeitigen Verfassung keineswegs ein übermächtiger Gegner. Hertha wiederum hat seinem Selbstverständnis als Ausbildungsverein in einer beständigen Übergangsphase eine gewisse Ehre gemacht.

Die größte Ausbildungsanstrengung galt in diesem Fall Ondrej Duda. Er sollte an die Stammelf herangeführt werden, indem er einen Platz in der Startelf bekam. In mancherlei Hinsicht wurde Duda zum Mann des Abends, leider nicht nur in wünschenswerter. Dass er vor dem Gegentor einen haarsträubenden Pass spielte, sorgte sicher für Verwirrung, aber da gab es noch genug Chancen, zu intervenieren; dass er einen möglichen Treffer von Kalou verhinderte, indem er aus Abseitsposition noch eingriff, mag man der Übermotivation eines hochbegabten Ergänzungsspielers zuschreiben.

Grund zum Hader gab Duda vor allem, weil er in interessanten Momenten das Spiel langsam machte. Hertha hatte gegen den BVB viele Räume, und es gelang auch immer wieder, mit klugen Verlagerungen, manchmal auch mit technischen Finessen, den Raum sogar noch vielversprechend zu öffnen. Mehrfach war es dann Duda, der in einer spannenden vertikalen Bewegung auf den Ball stieg, anstatt - wie es seine Aufgabe als Einfädler wäre - den richtigen Moment für den Ball in den Lauf des armen Selke zu finden. Der Mittelstürmer war wie schon gegen Stuttgart nicht perfekt integriert, es fehlte im Offensivspiel an wechselseitigem Verständnis. Es gab aber auch viele Anzeichen für kreative Kompetenz. Sie wurde nur durch die Zerstreutheiten behindert, die schon von hinten heraus zum Spiel von Hertha gehören (im Tennis spricht man von unforced errors - Hertha macht viele unerzwungene Fehler).

Pal Dardai verzichtete schließlich auf eine dritte Einwechslung, es gab dieses Mal also keinen Trostpreis für den Kapitän, von dem wir nun hoffen müssen, dass er dieses Signal nicht persönlich nimmt. Es war nämlich wohl doch vor allem eines an die Mannschaft: mit dem einen Punkt war Pal Dardai letztlich zufrieden. Ich war es auch, wir mussten es wohl sein, weil Dortmund zum Ende hin dem Sieg doch deutlich näher war - die Situation mit Yarmolenko in der Nachspielzeit werde ich, wie so vieles andere, in der Konserve noch begutachten.

Auf dem Foto sieht man die Wolke, die aus dem BVB-Block just in der Phase kam, in der Hertha gleich nach der Pause durch Selke in Führung ging. Der Nebel waberte dann fast zehn Minuten lang über eine Drangperiode der Borussen, bis sich diese und die Sichtbehinderung wieder legte. Die Spielkontrolle aus der (naturgemäß weniger spannenden) ersten Halbzeit aber gewann Hertha nicht mehr zurück.



Eingestellt von marxelinho am 20. Januar 2018.
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