03. Februar 2019

Unterzahlspiel

Gestern war ich auch versucht, mir das Heimspiel von Hertha gegen Wolfsburg lieber zu Hause anzusehen. Ich fuhr dann aber doch hinaus, bekam unterwegs eine minimale Andeutung von Winter zu verspüren, und danach ein Bundesligaspiel von der Sorte, von der Hertha sich doch eigentlich allmählich emanzipieren möchte.

Für die Mannschaft wäre es eine Gelegenheit für einen wichtigen Lernschritt gewesen: endlich einmal auch dann erfolgreich zu sein, wenn davor schon ein bisschen was gelungen war. Der Auftakt in die Rückrunde war ordentlich, nun bestand die Möglichkeit, eine Tendenz anzudeuten.

Hertha verlor mit 0:1. Bei der Ursachenforschung wird man mentale Faktoren berücksichtigen müssen, der Schlüssel lag für meine Begriffe aber doch just in jenen Formationsfragen, mit denen nicht nur ich mich zuletzt ein wenig beschäftigt habe.

Ich spitze es zu: Hertha spielte 90 Minuten mit einem Mann weniger. Ich spreche von Fabian Lustenberger, und ich meine nicht seine individuelle Leistung, sondern seine Funktion. Das Spiel von Hertha ist 2019 bisher so mittig wie das Parteienspektrum vor dem neuen Populismus. Vorne ackert eine Doppelspitze, die mangels Versorgung ihren eigenen Flügel ausbreitet (Davie Selke). Hinten bekommt man im entscheidenden Moment die Sache dann aber doch nicht dicht - das Gegentor hatte eine Generalprobe schon vor der Pause, und im Grunde kann man auch Konoplyanka aus der Vorwoche da noch dazuzählen.

Gegen Wolfsburg durch die Mitte gewinnen zu wollen, zeugt nicht von brillanten strategischem Geschick. Und dann nahm der Coach auch noch Maier vom Platz - da hat er vielleicht an Bayern am Mittwoch gedacht, es sah aber nicht danach aus. Die Abstimmung zwischen Grujic und Maier passt nicht mehr ganz, seit sie in diesem Jahr auf einer Linie spielen. Bei dem Mann aus Liverpool, der auch mich schon ins Schwärmen brachte, sieht man allmählich auch, warum Klopp ihn vorerst nicht brauchen kann. Seine Defensivarbeit ist schwach (Chance von Steffen in der 26. Minute!), sein Impact ist auch nicht immer weltbewegend.

Als Kalou dann kam, ging er in die Spitze, wo doch eigentlich Selke hingehört. Am Rande tauchte bei diesem Spiel bei mir die Frage auf: Wo sind eigentlich die Talente hin verschwunden, von denen zu Beginn dieses Jahres die Rede war? Dennis Jastrzembski ist so alt wie Jadon Sancho. Allerdings hat man den Eindruck, dass da im Herbst schon irgendetwas zerbrochen ist. Vielleicht ist er nicht gut genug, vielleicht ist es schwierig, im Grunde die selbe Position zu spielen wie der Sohn des Cheftrainers. Gegen Wolfsburg hätte Hertha dringend Optionen auf dem Flügel gebraucht - die beiden Jungen waren nicht einmal im Kader.

Stattdessen hat Hertha sich einmal mehr durch eine Hereingabe von der Seite düpieren lassen. Die eigenen Flanken hingegen waren durchweg schwach. Plattenhardt bekam vom Trainer eine Live-Sanktion durch Auswechslung. Einen Teil der Verantwortung kann er getrost zurückspielen: Er war nicht gut, litt aber auch unter der Konzeption. (Seinen rechten Fuß sollte er aber doch einmal in Erwägung ziehen - ich wiederhole mich.)

Die Mannschaft ist ein Spiegel des Trainers. Pal Dardai möchte sich gern etwas trauen, aber er möchte vor allem Erreichtes absichern. Damit kommt man im Fußball allenfalls ins Niemandsland der Tabelle. Dorthin hat sich Hertha gestern fallen lassen, und muss nun sehen, wo wieder Boden unter den Füßen zu finden ist.

Eingestellt von marxelinho am 3. Februar 2019.

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