09. Oktober 2018

Chinesische Feuermauer

Mir ging es am Samstag mit dem Spiel von Hertha, wie es Hertha selbst mit dem Spiel ging: wir kamen beide nicht so richtig hinein. Die Aufregung um den Elfmeter (es wäre der sechste gegen Hertha in dieser jungen Saison gewesen) kann ich verstehen, allerdings ist es sinnlos, die Fehlentscheidung direkt auf einen Sieg zu Mainz hochzurechnen. Mainz hätte den Elfmeter vergeben können (so wie Mahrez einen in einem anderen Spiel am vergangenen Wochenende, dem wesentlich mehr Bedeutung zukam), Hertha hätte das Spiel in der zweiten Halbzeit drehen können - alles wäre denkbar geblieben.

Interessant war vor allem, wie deutlich Pal Dardai in der Woche nach dem Bayern-Spiel die Ansprüche von Hertha formuliert hatten (die dann prompt nicht eingelöst wurden): er sprach de facto von Hertha als der Spitzenmannschaft, die sie derzeit laut Tabellenstand ist. Es gibt eine Elitegruppe, die den FC Bayern schön in die Zange genommen hat. Wenn die Liga diese Chance dieses Jahr nicht ergreifen will, wann dann? (In der näheren Gegenwart, meine ich.)

Ob Hertha dazu beitragen kann? Jedes Spiel bringt derzeit einen neuen Verletzten, das ist ein Problem. Am stärksten wiegt der Ausfall von Torunarigha, denn der fehlt für die Formation mit einer Dreierfünferkette, die zu Beginn der elastischen Hertha 2018 stand. Vorteil dieser Formation war, dass Duda von weiter hinten kam - eine der spannenden Geschichten der kommenden Wochen wird nebenbei, ob und wie Darida sich noch einmal in die Formation einbringen kann.

Nun ist Länderspielpause, für mich trifft sich der Ligahiatus mit einer spannenden Reise nach China zu einem Filmfestival. Das Leben mit dem Fußball und dem Kino bringt oft ein Jonglieren mit der Terminen mit sich. Das Festival in Toronto zum Beispiel fällt in der Regel passenderweise in die erste Länderspielpause der Saison. Wichtig ist das deswegen, weil die Bezahlsender, die ich abonniert habe, inzwischen merken, wenn ich aus dem Ausland zuschauen möchte, und mein VPN blockieren - meiner Meinung nach ist mein Rechner zwar auch in Kanada im Grunde Inland, weil er zu meiner Person gehört, aber ich fürchte, ich würde diese Rechtsauffassung nicht durchsetzen können. In Toronto habe ich dieses Jahr aber auch so kein Spiel versäumt.

In China bin ich nun sowieso für eine Weile hinter der großen Feuermauer, ich bin schon gespannt, wie sich von dort aus die Welt ausnimmt. Die Stadt, in die ich fahre (Pingyao), ist auch nicht gerade eine Metropole. Mal sehen, ob es dort ein Fußballteam gibt. In Berlin kann man ganz prächtig mit dem Kino und dem Fußball (und sowieso insgesamt ganz hervorragend gut) leben, aber gelegentlich möchte man die Welt sehen - ich werde natürlich auch die Augen offenhalten, ob mir Hertha BSC im Reich der Mitte irgendwo unterkommt.

Eingestellt von marxelinho am 9. Oktober 2018.

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