10. Februar 2018

Von hinten ran an den Stau

Den Matchplan gegen Bayer 04 Leverkusen hätte wahrscheinlich auch ein mittleres Fankonklave halbwegs so hinbekommen, wie Pal Dardai & Co. ihn heute für Hertha BSC aufgestellt hatten, und wie die Mannschaft ihn dann relativ locker umgesetzt hat. Die Werkself ist ja - anders als der Ausbildungsverein aus Berlin - noch in zwei Wettbewerben vertreten, musste dafür allerdings unter der Woche einigen Aufwand treiben.

Es ging also darum, maximale Spielkontrolle so zu gestalten, dass sich vielleicht irgendwann Fehler provozieren lassen könnten. Darida in der Rolle des zentralen Anläufers ist für solche Situationen prädestiniert. Und er - als die Verkörperung des Matchplans - war es dann auch, der kurz vor der Pause an der vorentscheidenden Situation beteiligt war. Davor war es weitgehend ein offenes Spiel zwischen geschlossenen Strafräumen gewesen.

Eine Umschaltsituation tief in der gegnerischen Hälfte ging von Lustenberger und Darida aus, und Lazaro brachte die Sache gekonnt zum Abschluss. In der zweiten Halbzeit konnte dann Kalou noch einen Aussetzer von Tah nützen: wie er den Ball da mit dem weit vorgestreckten rechten Fuß in die Spur brachte, das war schon noch einmal ein deutliches Zeichen seiner Klasse, wie auch die Art und Weise, wie er dann unter Druck die Ruhe bewahrte.

Das war also wieder die effiziente Hertha, die jetzt zum ersten Mal das Mittelmaß so ganz leicht in Richtung Optimismus angestupst hat. In der Tabelle steht zwar weiterhin Platz 11 zu Buche, aber Hertha ist jetzt hinten dran am Pulk. Und der Pulk reicht fast bis Platz 4.

Nicht, dass Hertha dort hingehören würde. Aber die Leistung gegen Bayer war doch immerhin so solide, dass man auf ihr aufbauen kann. Auffällig war einmal mehr Jordan Torunarigha, dessen Auswechslung hoffentlich nicht mit einer gravierenden Blessur zu tun hatte. Arne Maier hat auch wieder gespielt, und seine Aufstellung gerechtfertigt.

Bleibt als interessanter Punkt vor allem, warum Davie Selke so wenig ins Spiel findet. Pal Dardai ließ ihn heute 90 Minuten auf dem Platz, im Abspann der Übertragung konnte man dann sogar noch eine Umarmung mit Ibisevic sehen - das wäre ein professionelles Signal erster Ordnung vom Kapitän. Denn im Grunde hätte Ibisevic auch Gründe zum Reklamieren: Selke zeigt derzeit kaum, was er wohl kann, seine Kombinationsversuche waren gegen Bayer besonders dürftig, es gibt keine Läufe in die Tiefe.

Allerdings war er in die Führungstreffer involviert, und zwar auf eine ganz ähnliche Weise wie bei dem Ausgleich gegen Hoffenheim. Selke ist für mich derzeit das Symptom einer utopischen Hertha, die immer wieder in Andeutungen zu erkennen ist, eine Mannschaft, in der die Jungen ihren Stil, einen filigranen Durchsteckfußball, natürlich nicht wirklich zum Ausdruck bringen können. Dazu ist das taktische Konzept zu strikt, und das Konzept ist nun einmal mit Fug und Recht eher konservativ.

Für Pal Dardai war es ein gelungener Jahrestag. Seit drei Jahren ist er Hertha-Coach. Dieses Mal musste er in der Pause nur zwei kleine Änderungen vornehmen, sagte er im Interview gleich nach dem Match auf Sky. Jetzt muss ich mir das Spiel noch einmal anschauen. Wenn ich draufkomme, was er gesagt hat, oder wenn jemand anderer draufkommt, dann kennen wir den Trainer wieder ein bisschen besser, mit dem Hertha den Weg der Ausbildung geht.

Eingestellt von marxelinho am 10. Februar 2018.

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