06. April 2018

Beinharter Protestkauf

Das Hinspiel gegen ZSKA Moskau im Viertelfinale der Europa League war für Arsenal eher ein Trainingsspiel. Ohne große Mühe, aber mit viel Esprit gelangen vier Tore, defensiv gab es durchaus Lücken, aber die russische Mannschaft war in keinerlei Hinsicht ein satisfaktionsfähiger Gegner.

Arsene Wenger stellte seine erste Elf auf - mit einer Einschränkung, die sich als Bereicherung erwies: weil Aubameyang in der EL nicht spielen darf, war Lacazette der zentrale Angreifer. Und so konnte man die eine oder andere Reminiszenz an tolle Momente aus der Hinrunde sehen. Denn Arsenal hat in dieser Saison schon gezeigt, dass im Spiel nach vorn immer noch eine Menge Potential da ist - und Mkhitaryan lässt dieses Potential noch wachsen.

Es gab ja Anfang Dezember 2017 so eine Art Schlüsselspiel. Damals verlor Arsenal daheim gegen Manchester United mit 1:3, das Ergebnis war Ausdruck zweier höchst unterschiedlicher Ansätze. United gewann mit zynischer Effizienz (zu der die Arsenal-Defensive auch nachdrücklich einlud), während Özil & Co. brillante Spielzüge in Serie auf den Platz brachten, aber nur einen Treffer schafften.

Schon damals war zu erkennen, dass Özil offensichtlich gern und gut mit Lacazette zusammenspielt. Der Dritte im Bunde war damals noch Alexis Sanchez. Der französische Stürmer hatte nach dem Jahreswechsel einen Durchhänger, und im März war er dann auch eine Weile verletzt. Insgesamt aber war durchaus zu sehen, warum Arsenal für ihn im Sommer viel Geld ausgegeben hatte.

Der Zukauf von Aubameyang war wohl in erster Linie eine Protesthandlung gegen das sinkende Renommee von Arsenal. Es zeichnen sich allerdings auch Möglichkeiten ab, Aubameyang und Lacazette gemeinsam spielen zu lassen - die ideale Personalverteilung ist das allerdings nicht.

Das hat mit der Formation im Zentrum zu tun. Arsenal spielt ja zumeist mit zwei Dreiergruppen, eine geht von Xhaka aus, gestern ergänzt von Wilshere und Ramsey - die drei spielen flexibel, aber gestaffelt. Ramsey, sonst eine Position weiter hinten, war gestern sehr oft im Strafraum, und erzielte auch einen technisch hochwertigen Treffer.

Davor dann Özil plus Mkhitaryan und Zentralstürmer, wobei Özil gern hinter Xhaka zurückfällt, weil er es mag, den Ball abzuholen, und dann aus der Tiefe die Bewegung zu organisieren. Gegen einen schwachen Gegner wie ZSKA nimmt er sich dann alle Freiheiten eines Kreisläufers, wobei Mkhitaryan ihn dabei perfekt ergänzt.

Wenn Lacazette und Aubameyang gemeinsam spielen, fällt entweder Wilshere oder Ramsey weg, also ein dynamischer Faktor durch die Mitte, oder Mkhitaryan. In jedem Fall hätte Arsenal für die nächste Saison im Kern eine sehr interessante Formation schon parat.

Handlungsbedarf besteht eher in der Defensive. Koscielny kommt allmählich in die Situation, in der Sol Campbell einmal war: ein langjähriger Führungsspieler, von dem nicht mehr klar ist, ob er noch Stammspieler sein soll. (Ein analoges Problem gab es später mit Per Mertesacker.) Mustafi sehe ich als Ergänzungsspieler, wobei er immer wieder eigentlich sehr solide agiert.

Arsenal braucht also im Grunde zwei neue Innenverteidiger, und natürlich einen Tormann. Das ist aber alles relativ gegenüber dem viel wichtigeren Umstand der Trainerfrage. Der glänzende Sieg gegen ZSKA sollte in entsprechenden Überlegungen keine Rolle spielen.


Eingestellt von marxelinho am 6. April 2018.

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