11. November 2018

Gebrauchte Wochen

Gestern war wieder einmal so ein Tag, der einen zum Fußball-Nihilisten machen könnte. Hertha spielt in Düsseldorf (die Fans wissen, die größere deutsche Öffentlichkeit erinnert sich vielleicht vage: belasteter Ort), im Spiel geht es um drei Punkte, auf dem Spiel steht ein guter Saisonstart, der allmählich nach einer Bestätigung verlangt.

Hertha verliert mit 1:4, obwohl 40 Minuten lang alles nach einer sicheren Kiste ausgesehen hatte. Der Genauigkeit halber muss man dazusagen, dass die sichere Kiste unausgepackt zwischen den beiden Teams stand, und beide wenig Anstalten machten, sich ihrer zu bemächtigen. Dann griff Maximilian Mittelstädt dem Fortunaten Zimmer in den Lauf, die Sache sah aus der Perspektive des Schiedsrichters wohl dramatischer und nach Ellbogeneinsatz aus, jedenfalls gab es eine gelbe Karte, für den jungen Linksverteidiger der Hertha war es allerdings schon die zweite im Spiel.

Hertha hatte in Düsseldorf gestern also zwei Herausforderungen - 40 Minuten lang hatte sie Zeit, sich eines Spiels zu bemächtigen, das weiter offen nicht sein konnte. Danach musste sie 45 Minuten lang in Unterzahl versuchen, sich gegen Widrigkeiten zu behaupten und vielleicht Andeutungen des Charakters einer Spitzenmannschaft zu machen. Ich weiß nicht, welches der beiden Versäumnisse gravierender ist, vermutlich aber doch zuerst einmal das erste.

Pal Dardai hatte mit seiner Aufstellung dazu beigetragen, dass die Mannschaft schwer in die Gänge kam. Denn die elastische Hertha der ersten paar Ligawochen war mit Darida und Maier in einer Schelle-und-Lusti-Konstellation schon fast wieder die phlegmatische Hertha, die wir eigentlich viel besser kennen. Umständlich bemühten sich alle, die Flügelformationen wenigstens in Ansätzen ins Spiel zu bekommen - und als Duda einmal unvermutet eine Chance im Strafraum bekam, da ließ seine Körperspannung erkennen, dass er sich zu sehr an die Leichtigkeit des Toreschießens gewöhnt hat, die ihm in den schöneren Wochen des Jahres zugeflogen war.

Der Schiedsrichter hatte gestern auch keinen guten Tag, er ließ der Fortuna fast alles durchgehen, und war streng mit Mittelstädt. Aber Hertha hätte nicht so auseinanderfallen dürfen. Das Thema Körperspannung wurde in Halbzeit zwei noch eklatanter, als Jordan Torunarigha nach Verletzungspause links hinten ins Spiel kam. Er ließ sich mehrfach widerstandslos überlaufen, mit einem Wort: der Einsatz kam zu früh. Andererseits könnte man ja auch meinen, dass ein junger Spieler, der die Saison stark begonnen hat, heiß sein könnte auf sein Comeback, und sich darum bemüht, konzentriert sein Talent einzubringen.

Das Unheil nahm dann ohnehin im Zentrum seinen Lauf, die zweite Halbzeit war zum Haareraufen, und am Ende stand die Formel vom gebrauchten Tag. Hertha beginnt diese Tage aber schon wieder zu sammeln, Vergleiche vor allem mit dem Heimspiel gegen Freiburg drängen sich auf. Und im Grunde ist die Sache schon nicht mehr zu übersehen: Die Mannschaft hat ihr älteres Selbst wiedergefunden. Das ist schon wieder die Hertha aus dem Vorjahr, die ihre Defizite geradezu systematisch aus einem Mangel an Mentalität heraus entwickelte. Individuell mag in diesem Jahr mehr Talent vorhanden sein, aber die gemeinsame Neutralisierung gelingt schon wieder ganz gut.

Und deswegen war ich gestern ein paar Stunden lang Fußball-Nihilist. Weil der Versuch, diese Bemühungen konstruktiv zu beobachten, im Grunde lächerlich ist. Und dieses Mal mache ich Ernst: von nun an gibt es hier nur noch strikte Werkimmanenz. Ein Spiel ist ein Spiel, aus dem nichts hervorgeht. Ein Spieltag ist kein Puzzlestück, sondern eine Aufdeckung in einem Memory, in dem es niemals zwei gleiche Karten gibt. Fußball ist die Abwesenheit von Sinn. Leider ertappe ich mich aber gerade schon wieder bei dem Gedanken, dass die Mannschaft aus ihren Versäumnissen Konsequenzen ziehen könnte. Ich werde es wohl nie lernen.

Geschrieben von marxelinho am 11. November 2018.

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05. November 2018

Sortiermaschine

Mit dem trüben, kalten Samstagabend wollte ich am Sonntag nichts zu tun haben. Mit dem 0:3 von Hertha gegen Leipzig, mit dem Schweigen der Ostkurve wollte ich mich in aller Ruhe auseinandersetzen. Die deutliche und eindeutige Niederlage lässt sich im Verlauf der Hinrunde vielleicht noch relativieren, das Zerwürfnis zwischen Teilen der Fans und der Clubleitung scheint hingegen gravierend. Und das alles an einem Wochenende, an dem der Spiegel mit einer Titelgeschichte wieder deutlich machte, welche gigantischen (Finanz-)Interessen am Fußball zerren.

Hertha hatte gegen die Dosen keine Chance - dabei gab es gar nicht wenige Torchancen, es war ein offenes, spannendes, teilweise hochklassiges Bundesligaspiel. Leipzig war aber in allen entscheidenden Belangen besser, wobei Pal Dardai dieser Überlegenheit mit einer eigenwilligen Formation in die Karten spielte: er schickte eine Sechserkette hinaus, mit Lustenberger zwischen Stark und Rekik, und mit Plattenhardt und Mittelstädt links hinten in einem Knäuel, das sich meist nur in Vorstöße für RB auflöste. Maier war in der Zentrale oft allein, oder genauer, Leipzig war es ein Leichtes, zwischen den Linien zu spielen, weil Hertha de facto nur eine hatte.

Man konnte auch so immer noch sehen, dass Hertha in der Lage ist, von hinten herauszuspielen, aber Leipzig spielte vor allen vorne hinein, mit einer Beweglichkeit, die von der vorgeblichen Kompaktheit der Heimmannschaft wenig übrig ließen. Zweimal hintereinander hat Hertha es jetzt meiner Meinung nach gegen eine Spitzenmannschaft mit einer untauglichen Taktik probiert - die Fortschritte in der Spielkonzeption kommen auf diese Weise nicht (entscheidend) zum Tragen.

Individuelle Defizite (über Marvin Plattenhardt wird heftig diskutiert, seine Auswechslung zur Pause wäre eigentlich unumgänglich gewesen) und das Fehlen wichtiger Spieler (Torunarigha, Grujic) spielen eine Rolle, man hat auch das Gefühl, dass die individuellen Qualitäten nicht mehr optimal eingebracht werden können (Selke, Dilrosun, am Samstag auch Duda).

Vor den sieben verbleibenden Spielen in der Hinrunde hängt Hertha am unteren Ende eines dichten Pulks, der die europäischen Plätze unter sich ausmachen wird. Die Liga ist eine Sortiermaschine, der man nur mit viel Geschick in die Rädchen greifen kann. Der Spielplan bringt bis Weihnachten vor allem Begegnungen mit Mannschaften, gegen die Hertha sich zumindest nicht als Außenseiter sehen muss - am Samstag gegen Düsseldorf wartet der diffizile Fall eines Gegners, gegen den drei Punkte eigentlich ein Muss sind. Hoffenheim, Frankfurt, Leverkusen, das könnten alles Gelegenheit sein, sich auf einer bestimmten Höhe in der Liga zu bestätigen.

Dazu müssen die Betreuer aber das Verhältnis von Risiko und Stärken wieder besser justieren. Hertha lässt sich derzeit zu häufig auskontern. Und sucht schon wieder nach einer Balance in der Zentrale des Spiels. Alles ganz normal im November.

Geschrieben von marxelinho am 05. November 2018.

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28. Oktober 2018

Außer Rand und Band

Hertha hat gestern ein 2:2 gegen den BVB erkämpft, auswärts und gegen eine Mannschaft, die wenige Tage davor Atletico Madrid mit 4:0 deklassiert hatte. Das Ergebnis ist aller Ehren wert, aber an diesem Morgen stellt sich auch für mich die Frage: überlege ich mir was zum Spiel, oder zu den Ereignissen im Im Hertha-Fanblock, zu den Auseinandersetzungen der Hauptstadtmafia mit der Polizei?

Michael Preetz sprach anschließend von einer bitteren Notiz, und er korrigierte sich gleich selbst, denn es war ja eben "mehr als eine Randnotiz". Die Gewalt der Fans (die mit der Verteidigung eines Transparents gerechtfertigt wurde) stellt Herthas Leistung in einen Schatten.

Ich will mich trotzdem zuerst einmal mit dem Spiel beschäftigen, denn das Thema, das in Dortmund gestern wieder einmal virulent wurde, wird uns ohnehin durch eine ganze Woche hindurch beschäftigen, an deren Ende dann RB Leipzig nach Berlin kommen wird. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie sehr diese Begegnung nun durch Ultras überhöht werden wird. Und zwar auf allen anderen als der sportlichen Ebene.

Zum Spiel. Der BVB hat diese Saison keineswegs souverän begonnen, dabei aber fast immer gepunktet, und allmählich wirklich Tempo aufgenommen. Anfangs schien Lucien Favre die Mannschaft förmlich zu hemmen mit seiner Vorsicht: da brachte er dann Dahoud als offensivsten Mann vor Witsel und Delaney. Die Mannschaft hat sich, wenn ich das richtig sehe, für ihren Trainer gerade rechtzeitig entfesselt, sodass Favre nun selbst dem virtuosen Offensivspiel nicht mehr entgegenstehen mag.

Gegen Hertha brachte er mit Sancho, Götze, Reus und Guerreiro immerhin eine subtil besser abgesicherte Formation. Pal Dardai setzte auf eine Fünferkette mit Lustenberger zwischen Stark und Rekik, und er brachte einmal mehr Mittelstädt statt Plattenhardt in einem wichtigen Spiel.

Ich war als Fernsehzuschauer dabei, und dachte mir schon nach fünf Minuten, dass ich lieber live zusehen würde. Denn wenn ein Spiel so aus den Fugen gerät, wie das gestern der Fall war, dann hätte ich lieber eine Totale, als dass ich das auch noch in der Zerschneidung einer Übertragung aushalten muss. Selten habe ich mir bei einem Fußballspiel so sehr gewünscht, ich könnte es mit einem Ordnungsruf auf Null setzen, damit es dann mit ein bisschen mehr Vernunft weitergehn könnte.

Zu dem wilden Hin und Her trug Hertha durch eine überraschende Spielkonzeption bei: Pal Dardai ließ sehr riskant verteidigen. Stark und Rekik rückten teilweise weit in die gegnerische Formation vor, normalerweise würde man sagen, sie ließen sich herausziehen, aber das schien alles ganz beabsichtigt zu sein. Im Grunde hätte Dortmund das gestern auch mit 4:1 oder 5:2 gewinnen müssen. Aber sie brachten eben nur zwei Angriffe zu Ende.

Wobei man sagen muss, dass das erste BVB-Tor, das mit Hilfe des VAR als irregulär gewertet wurde, bereits extrem auf der Kante (auf der kalibrierten Linie) war. Bald darauf ging der BVB dann trotzdem in Führung, nun war es ein lupenreiner Konter, ein Tor, das keine zurechungsfähige Mannschaft in der Liga so bekommen darf. Es passte auch gar nicht zu Pal Dardais Statements, der ja darauf hoffte, eine Stunde lang den Kasten sauber zu halten, danach konnte man weitersehen.

Die ganze Zeit hindurch war auch deutlich, dass Hertha über die spielerischen Mittel verfügt (hätte), den BVB ein wenig konservativer zu bearbeiten, ihn also tiefer in Empfang zu nehmen. Das Herausspielen bei Ballgewinn hat ja bei Hertha offensichtlich inzwischen echte Qualität, und der Konter über Mittelstädt, der zum ersten Ausgleich führte, begann zwar nicht ganz am eigenen Sechzehner, aber tief genug.

In der zweiten Halbzeit hielt Hertha das Spiel so offen, wie es bei der Qualität der BVB-Offensive - die gestern bei Hakimi links hinten begann - eben nur sein kann. Irgendwo in den Tiefen des Chaos dieses Spiels konnte man die Matrize eines Clasicos sehen: Hertha ist in der Lage, einen begeisternden BVB spannend herauszufordern. Für meine Begriffe war diese Herausforderung gestern deutlich zu chaotisch, aber das Ergebnis lügt auf eine gewisse Weise dann doch nicht.

Mit viel Glück und viel Willen (und mit Davie Selke, dem neuen Experten für Zweikämpfe, über die man Laokoongruppentraktate schreiben könnte) holte Hertha einen Punkt. In einem Spiel, das ich eigentlich als vercoacht bezeichnen würde, das aber doch zu einem kleinen Triumph für Pal Dardai und sein Team wurde. Denn man sah auch gestern, dass Hertha dieses Jahr da ist, um in der Bundesliga spannenden Fußball zu spielen.

Geschrieben von marxelinho am 28. Oktober 2018.

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von Jörg (am 28. Oktober 2018)
Das Passspiel von Dortmund war wirklich sehenswert. Zwar unterlief dabei der ein oder andere Fehlpass, doch wenn die Abfolgen von langen, raumöffnenden Pässen und kleinen Ablagen für einen nahen Mitspieler kamen, dann war das großartig. Hertha wurde schwindlig gespielt. Was kann man dagegen tun? Näher am Mann stehen? Doppeln? Die Räume besser zustellen? Härter in den Zweikampf gehen? Dortmund war in dieser Phase einfach besser, als eingespielte Mannschaft und in den geschmeidigeren Einzelakteuren. Auffällig war, wie sehr Dortmund nach dem 1:0 plötzlich nachgelassen hat und Hertha im Mittelfeld wieder atmen konnte. Da zeigte sich, dass die Defensive der Dortmunder nicht so aufmerksam und nicht so erfahren ist, eigentlich merkwürdig bei einer Favre-Mannschaft. Die Einstellung von Hertha stimmte jedenfalls. Dass man aus den letzten 4 Spielen 6 Punkte mitnimmt, damit hätte man vorher vielleicht rechnen können, die Art und Weise, wie das dann jedoch passiert ist, war für mich wirklich überraschend: himmelhoch jauchzend und langweilig/betrübt.
25. Oktober 2018

Some Sexy Football

Vor zwei Tagen erschien im Guardian ein kleiner Text, mit dem noch vor vier oder fünf Wochen wohl niemand gerechnet hätte: Are Arsenal genuine contenders for the Premier League title? Die aktuellen Ziffern weisen jedenfalls in diese Richtung. Arsenal steht mit 21 Punkten auf Platz 4 in einem extrem engen Pulk von fünf Teams, getrennt nur durch zwei Punkte. Die Premier League hat schon länger diese kompakte Spitze von vier bis sechs Teams, die nur im Vorjahr einen Alleingang von Manchester City erlaubte, in der Regel aber spannende Bewerbe ergibt - in Deutschland könnte sich die Sache dieses Jahr ein bisschen in diese Richtung normalisieren, wenn es mehr als drei oder vier Mannschaften gelingt, die Bayern zu fordern.

Arsenal begann die neue Ära unter Unai Emery mit zwei Niederlagen gegen Manchester City und Chelsea. Seither hat die Mannschaft aber alles gewonnen, nicht immer überzeugend, auf 90 Minuten gesehen aber immer effektiv. Heute Abend steht mit Sporting Lissabon in der Europa League ein wichtiger Gradmesser an. Am Sonntag dann ein Auswärtsspiel bei Crystal Palace, und eine Woche später wird es richtig ernst: dann kommt Liverpool ins Emirates.

Hier sind einige Aspekte der positiven Entwicklung.

Das defensive Mittelfeld: Granit Xhaka ging in die dritte Saison seit seinem Wechsel bei Arsenal, nach wie vor ist er vor allen in seinem defensiven Verhalten nicht hundertprozentig überzeugend. Dazu kamen zwei Neue: Lucas Torreira, der durch seinen WM-Einsatz spät zur Mannschaft stieß, und der hochbegabte Matteo Guendouzi, ein 19 Jahre alter Franzose. Aaron Ramsey, bei dem es um die Frage der Vertragsverlängerung ging, hat Emery von Beginn an nicht für die 8er-Position neben und vor Xhaka in Betracht gezogen.

Anfangs spielte vor allem Guendouzi, seit einiger Zeit aber ist Torreira nun fester Teil der Mannschaft. Er ist ein großartiger Typ: Mit 1,68 nicht gerade der neue Patrick Vieira, aber ein Beißer, dabei im Passspiel durchaus umsichtig. Er hat Autorität, trotz seiner Körpergröße. Nach wie vor ist Arsenal defensiv keineswegs kompakt, aber derzeit wiegt das Offensivspiel das mehr als auf.

Der Sturm: Unai Emery hatte von dem späten Arsene Wenger ein Puzzle aufzulösen bekommen. Denn in der Winterpause kam ja mit Aubameyang ein Superstar, eine Transferperiode davor war aber mit Lacazette schon ein spannender Angreifer gekommen. Aubameyang war in vielerlei Hinsicht ein Panikkauf, mit dem eher das Prestige von Arsenal wiederhergestellt werden sollte, als dass eine präzise Überlegung erkennbar gewesen wäre. Emery hat das Puzzle gelöst, indem er häufig Lacazette und Aubameyang gemeinsam aufstellt. Tatsächlich war in vielen engeren Spielen der letzten Wochen der bulligere Lacazette der entscheidende Angreifer. Er ist spielintelligent, aber auch extrem cool im Abschluss.

Iwobi entwickelt sich unter Emery sehr gut, rechts gibt es die Option mit Mkhitaryan, und Özil ist nun, nachdem die Vertragsverhandlungen mit Ramsey ergebnislos blieben, im Zentrum unumstritten. Auch da hatte Emery durchaus ein wenig gezögert: eine Weile sah es so aus, als wollte er Ramsey als den neuen Özil installieren, und als würde er den deutschen Spitzenverdiener eher unter Druck setzen wollen. Gegen Leicester am Montag war Özil dann aber Kapitän, und wurde im Lauf des Spiels zum Dreh- und Angelpunkt einer extrem beweglichen Formation, die schließlich eines der Tore dieser Saison als absolutes kollektives Kunstwerk fabrizierte.

Bleibt als Problemzone die Defensive - die aber natürlich schon bei Mkhitaryan oder Iwobi beginnt. Im Tor hat Emery anfangs auf Cech gesetzt, der sich dann aber eine Muskelverletzung zuzog - ich denke nicht, dass Leno noch einmal ins zweite Glied rücken muss, denn er überzeugt bisher. Holding und Mustafi bilden eine vertretbare, aber natürlich keine felsenfeste Innenverteidigung, wobei beide derzeit durchaus Punkte sammeln. Links hinten musste gegen Leicester Lichtsteiner (und später Xhaka!) aushelfen, der Schweizer Routinier wurde danach von Emery ausdrücklich positiv hervorgehoben. Bellerin war zuletzt eher ein Sorgenkind, er wurde auch oft alleingelassen, zeigt aber vor allem offensiv zunehmend mehr.

Bei all dem geht Arsenal mit einem überraschend dünnen Kader durch die bisherige Saison. Maitland-Niles, Kolasinac und zuletzt auch Monreal sind verletzt, in der Defensive spielt Mavropanos (eine Wenger-Entdeckung) keine Rolle, offensiv ist allenfalls noch Danny Welbeck ein Faktor. Dann kommt schon ein Teenager wie der hochinteressante Smith Row. Man wird also auch sehen müssen, wie sehr die Mannschaft die Strapazen einer Saison mit vielen Begegnungen bewältigt. Derzeit wirken alle fit und spritzig.

Es wird aber alles von den direkten Duellen abhängen. Arsenal war zuletzt in den Top 6 kein Faktor, gegen Spitzenteams gab es immer wieder peinliche Niederlagen. Allerdings enthielten schon die beiden Spiele, die gegen City und Chelsea verloren wurden, durchaus einige Hinweise auf eine etwas bessere Wettbewerbsfähigkeit.

Bei all dem würde ich meinen, dass Unai Emery die Mannschaft stilistisch nur unwesentlich verändert hat. Es sind wohl eher andere Faktoren, die eine Rolle spielen: er scheint die Spieler wirklich anzusprechen, und nun wissen sie auch schon, dass sie Lösungen haben. Zudem wird im Detail durchaus klug rotiert: gegen Leicester begann Aubameyang auf der Bank, auch Welbeck ist jederzeit für einen Platz in der ersten Elf gut. Nur Xhaka, Bellerin und Mustafi spielen eigentlich immer.

Als Zwischenbilanz könnte man also sagen: der Mann, der das Wort "performance" so unverwechselbar Spanisch ausspricht und überhaupt ziemlich radebrecht, hat Arsenal gar nicht so schlecht auf Kurs gebracht. Die Spieler sind offensichtlich selbst beeindruckt von dem, was sie können: gegen Leicester gab es Momente, in denen wieder etwas von dem großartigen Esprit erkennbar war, für den Arsenal einmal stand. Das war aber eigentlich ein Zwischenspiel, denn davor stand Arsenal ja für öde Effizienz: "boring Arsenal". Nicht in diesen Tagen. Sogar die Sitze im Emirates, das zuletzt häufig ausverkauft, aber nie voll war, beginnen sich wieder zu füllen. Und Mesut Özil lässt sich von der aktuell guten Stimmung sogar dazu hinreißen, positive Signale nach Deutschland zu schicken. Ich würde es ihm wirklich wünschen, dass er seine Verächter noch einmal eines viel Besseren belehren könnte.

Geschrieben von marxelinho am 25. Oktober 2018.

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21. Oktober 2018

Die Farben des Geldes

Am Savignyplatz habe ich neulich diese kleine Spur von Hertha BSC im Stadtbild gesehen - gleichsam ein Anti-Keuter, keine implementierte Kampagne, sondern ein beiläufiges Zeugnis von Fankultur, was ja nicht (jedenfalls nicht ganz) das Gleiche ist wie Markenwirksamkeit.

Heute kommt der SC Freiburg in die Stadt, und trifft auf eine Mannschaft, die aufgrund der bisherigen Saisonergebnisse zu favorisieren ist, die allerdings wegen mehrerer Ausfälle auch ein wenig schwer einzuschätzen ist. Dazu kommt die Länderspielpause, nach der man erst wieder Momentum finden muss. Immerhin hat Bremen gestern bestätigt, dass die bisher einzige Niederlage von Hertha (in Bremen) in ein größeres Bild passt, das die Liga in dieser Phase ergibt.

Mit einem Sieg gegen Freiburg könnte Hertha sich in dem Pulk bestätigen, könnte sich damit auch an der Seite von Bremen bestätigen, die mit einem 2:0 auf Schalke den kleinen Upset durch Hertha vor ein paar Wochen in der Arena wiederholen konnten. Die Analogie könnte immerhin erlauben, von verschiedenen Typen von Traditionsclubs zu sprechen, wobei sich Hertha dann in die Reihe zweier wirklich prägender Clubs stellen könnte, denn Werder und Gladbach haben zu der Bundesliga im Lauf der Jahrzehnte doch mehr beigetragen als der Club, der wie die Hauptstadt auch im Grunde erst vor 20 Jahren neu mit der Traditionsbildung beginnen musste.

Dieser Saison kommt offensichtlich eine Schlüsselrolle dabei zu. Denn in der Vorwoche wurde uns durch die Berichte über eine neue, umfangreiche Hertha-Anleihe deutlich vor Augen geführt, dass die neue Spielkultur, die Pal Dardai auf eine lange, strategische Vorbereitung zurückführt, auch ein firmenstrategisches Motiv hat: Hertha konnte auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht so weiter machen wie im Vorjahr, als die Talente alle stagnierten, und die "stillen Reserven" begannen, an Wert zu verlieren. Die "lauteste" Reserve Marvin Plattenhardt wurde schließlich auch von den Märkten eher schnöde vorläufig zum Schweigen gebracht.

Wir begreifen nun auch besser, warum Hertha so geduldig auf Ondrej Duda gewartet hat. Der Verein kann es sich einfach nicht leisten, eine Aktie, die sich zwei Jahre ungünstig entwickelt hat, mit Verlust abzustoßen, solange noch irgendeine Hoffnung besteht, sie könnte noch durchstarten. Die ganze finanzielle Situation von Hertha ist durch KKR kapitalistisch geworden, das heißt, es geht nicht einfach um eine solide Transferbilanz, sondern es geht um ein rundherum investives Klima.

Da muss dann für Spieler wie Dilrosun, der zu Beginn der Saison ein paar spektakuläre Fantasien in den Raum setzte, ein Umfeld geschaffen werden, in dem er sich sportlich - und in dem sich sein Marktwert - entwickeln kann. Die öden Minimalauskömmlichkeiten, mit denen Hertha sich im Vorjahr im Mittelfeld der Liga hielt, passten da nicht dazu.

Es spricht für Pal Dardai, aber auch für Michael Preetz und das gesamte Vereinsmanagement, dass im Sommer offensichtlich viele Schritte zu einer investierenden Hertha gemacht wurden, und da meine ich jetzt auch konkret die Mannschaft. Es gibt diese Redensart ja auch tatsächlich: der Gegner hat mehr investiert. Hertha muss darauf achten, immer dieser Gegner zu sein, dies allerdings auf der Grundlage eines schon erstellten Portfolios: eine gestaltende Spielanlage mit permanenten Anspielmöglichkeiten, technischer Sicherheit und guter Handlungsschnelligkeit. Interessanterweise zeigt nicht zuletzt der Kapitän, was eine gute Vorbereitung bewirken kann.

Die vielen Verletzungen ergeben nun aber schon heute einen ernsten Test für die Rückversicherungen, die Michael Preetz eingebaut hat. Bei allen Hoffnungen, die man vor einem Heimspiel gegen Freiburg haben darf, würde ich heute eher von einem Übergangsspiel sprechen. Hertha wird in dieser Saison erst wieder so richtig spannend werden, wenn Jordan Torunarigha zurückkehrt, der nicht nur eines der spannendsten Assets ist, sondern von dem auch die Spielanlage abhängt, mit der Hertha so interessant begonnen hat: mit einer flachen, elastischen Zwei in der Zentrale, und mit einer Fünferzange als umgreifender Ordnung. Es wäre schade, wenn dieses Konzept, wieder in Vergessenheit geriete.

Allerdings stehen im Mittelfeld nun mit Darida und bald wieder Grujic auch Optionen zur Verfügung, sodass die Spiele von Hertha nun auch permanent so etwas wie eine Roadshow ergeben: seht her, das haben wir in Berlin an Werten, um eine möglicherweise hochspekulative Gebarung abzusichern. Geld schießt Tore, sagt man immer wieder. Hertha muss in dieser Saison den Beweis antreten, dass künftiges Geld (also Fantasie) sogar noch mehr Tore schießen kann.

Geschrieben von marxelinho am 21. Oktober 2018.

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14. Oktober 2018

Road(show) to Nowhere?

Die aktuelle Länderspielpause fühlt sich für Hertha-Fans sehr gut an. Der Saisonstart war vielversprechend, und dann steht man auch noch zwei Wochen lang einen Platz und einen Punkt vor dem FC Bayern. Nahezu eitel Wonne also, auch wenn bei der DFB-Mannschaft kein Herthaner dabei ist, worüber man nach dem Samstagabend fast froh sein kann.

Am Freitag erschien dann aber ein Bericht im Magazin Capital, der so viele Fragen aufwirft, dass die gute Stimmung bei mir zumindest eingetrübt wurde. Ingo Schiller, der Geschäftsführer für das Finanzielle bei Hertha, absolviert derzeit eine Roadshow, so steht dort zu lesen. Sein Publikum sind institutionelle Investoren, denen Hertha gern eine Anleihe verkaufen würde. Und zwar mit einem beträchtlichen Volumen: bis zu 40 Millionen Euro über fünf Jahre, also bis 2023 oder 2024.

Das Merkwürdigste an dieser Geschichte ist der Zeitpunkt. Warum gerade jetzt? Hertha verhandelt mit dem Land Berlin über einen Standort für das künftige Stadion, hält sich in diesem Zusammenhang aber mit Finanzierungskonzepten noch zurück. Als Laie würde ich einmal vermuten, dass diese Anleihe mit dem Stadion nichts zu tun hat, denn es wäre absurd, das sozusagen stückchenweise anzugehen. Dafür braucht es ein belastbares Gesamtkonzept, da kann man nicht einfach mal so an den Kapitalmarkt gehen und sagen: wir werden insgesamt das Fünf- oder Sechsfache brauchen, aber lasst bitte jetzt schon einmal etwas herüberwachsen.

Plausibler ist, dass das Manöver in den Zusammenhang mit dem KKR-Deal gehört. Capital rekapituliert in sehr knappen Zahlen noch einmal den Private Equity-Deal, mit dem Hertha vor vier Jahren die Liga verblüffte. Insgesamt gab es von KKR 61,2 Millionen, davon waren aber nur 18 Millionen für die Übernahme von Anteilen (9,7 Prozent, was einen Firmenwert von unter 200 Millionen ergeben würde). Dieser Wert ist inzwischen gestiegen, was erst einmal gut klingt, aber nur dann, wenn Hertha jemand findet, der 2021 diese 9,7 Prozent an Stelle von KKR übernehmen möchte, zu einem dann höheren Preis von vermutlich rund 30 Millionen Euro. Sonst müsste Hertha das Geld irgendwie auftreiben.

Was aber ist mit den restlichen mehr als 40 Millionen, die KKR für die Rückführung von Schulden überwiesen hat? Das war ja keine Spende. Hertha wird auch dieses Geld zurückzahlen müssen, eine mögliche Alternative wurde aber auch schon benannt: KKR könnte seine Anteile an Hertha auf ein Drittel erhöhen. Damit bliebe aber die offene Frage für 2021 weiterhin offen, nur in einer anderen Dimension: denn Hertha müsste dann einen Investor finden, der für ein Drittel der Hertha BSC GmbH & Co. KgaA eher einiges mehr als 60 Millionen bezahlt. Immer vorausgesetzt, dass KKR das Engagement nicht verlängert, was natürlich auch denkbar ist, wenn sie vielleicht feststellen, dass sie andernfalls nicht gut aus der Sache hinauskommen. Von den 50 minus 1, über die Hertha BSC nach bisherigen Liga-Regeln verfügen kann, blieben in jedem Fall nur knapp 15 Prozent als Asset für neue Investoren, die nicht an die Stelle von KKR treten. Kein Wunder, dass Hertha schon erkennen hat lassen, dass man für eine Aufweichung oder Abschaffung von 50+1 ist.

Die 40 Millionen-Anleihe und die gut 44 Millionen von der KKR könnten also etwas miteinander zu tun haben. Wenn es Hertha gelingt, die Anleihe zu platzieren und KKR weitgehend abzulösen, dann wären wieder 40 Prozent Anteile "frei", das wären (bei einer optimistischen Einschätzung des Unternehmenswerts mit 300 Millionen Euro) dann immerhin 120 Millionen. In jedem Fall erinnern sie uns daran, dass die Zeit bis zu dem neuralgischen Jahr 2021, bis zu dem Hertha sich finanziell ganz grundlegend neu aufstellen muss, schon ziemlich kurz ist. Und dabei ist nicht ganz ohne Belang, dass trotz des beträchtlichen Investments auch immer noch „normale“ Schulden vorhanden sind, im Vorjahr waren es mehr als 37 Millionen, ein überraschend hoher Betrag, auch wenn Schiller dagegen einige Außenstände ins Treffen führte. 2012 lag der Betrag ein wenig über 41 Millionen, dann kam KKR und löste (so die populäre und im Detail viel zu einfache Darstellung) Hertha aus, nun sind die Schulden beinahe wieder auf dem Niveau, das VOR dem Einstieg eines Investors vorlag.

Im allerschlimmsten Fall könnte Hertha BSC in drei Jahren mit fast 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten dastehen (grob 65-70 an KKR, 25-30 „normale“ Schulden). Das trifft sich zwar gut mit einer Drittelbeteiligung an einem Club, der dann vielleicht schon mehr als 300 Millionen Euro wert sein könnte - aber einen entsprechenden Investor muss man erst einmal finden. Und die Stadionfinanzierung ist dabei noch vollkommen unberücksichtigt. Dafür werden auch Investoren gebraucht.

Es spricht alles dafür, die finanziellen Angelegenheiten bei der kommenden Mitgliederversammlung einmal deutlicher anzusprechen, als das üblicherweise bei der komplexen Materie der Fall ist. Natürlich kann sich ein Unternehmen nur bis zu einem gewissen Grad in die Karten schauen lassen, aber so viel kann man aus den aktuellen Berichten für meine Begriffe auf jeden Fall schließen: bei aller Vernunft in der Transferpolitik und bei allen stillen Reserven im Kader ist die finanzielle Situation von Hertha sicher reich an Fantasie, aber deutlich reicher an Risiken.

Geschrieben von marxelinho am 14. Oktober 2018.

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10. Oktober 2018

Ein Herbstbild


Vor drei Wochen habe ich anlässlich eines Klassentreffens den Fußballplatz wiedergesehen, auf dem wir in der Schulzeit gespielt haben. Der damalige Sandplatz ist heute ein wenig überwachsen. Ich war nie ein besonderer Fußballspieler, erstens als Brillenträger sowieso schlecht disponiert, es gab damals aber auch eine triviale Spannung, die ich erst später als sinnlos durchschaut habe: als Bücherwurm (blödes Wort, aber trifft in dieser Blödheit etwas) nahm ich am Fußballspiel nur vom Rande her teil.

Ich erinnere mich aber auch ganz genau, dass ich vor allem beim Spiel in der Halle auch Momente hatte, in denen mir schon klar war, dass Fußball etwas mit einer speziellen Intelligenz zu tun hatte. Ich hätte das damals natürlich niemals begriffen, aber ich verstehe es jetzt in der Rückschau: die Bewegung im Raum, das Vermögen, im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein, das zeigt sich beim Hallenspiel ja noch viel stärker. Ich meine, einen Winter lang fast ein ziemlicher Stürmerstar gewesen zu sein.

Dann entschied ich mich aber endgültig für die Antikarriere eines der Klassenintellekuellen. Eines meiner einprägsamsten Erinnerungsbilder dieser Zeit hat mit dem Platz direkt zu tun: Während 1978 Österreich in Cordoba gegen Deutschland gewann, war ich unten auf dem Sand und langweilte mich mit einem Ball. Ich hatte wohl auch Heimweh, mein erstes Jahr im Internat ging zu Ende, ich fremdelte - und konnte mich deswegen auch an diesem Sieg nicht freuen. Durch die geöffneten Fenster hörte ich aus den oberen Stockwerken des herrschaftlichen Gebäudes den Jubel, der mir anscheinend nichts bedeutete.

Dabei hatte ich vorher noch leidenschaftlich die Bilder gesammelt, die aus der Kronenzeitung herausfielen, wo jeden Tag ein Spieler des österreichischen WM-Aufgebots mit einem Farbdruck vorgestellt wurde: Koncilia. Breitenberger. Obermayer. Persidis. Oberacher. Und natürlich mein Idol dieser Zeit, Kurt Jara mit der Nummer 11, den langen Haaren und dem heraushängenden Leiberl.

Interessant, wie sich gerade in diesem Herbst einiges aus meiner Geschichte mit dem Fußball zusammenfügt: der LASK spielt wieder relevant, bei Rapid wird Didi Kühbauer Trainer, Liverpool (die mich zur Premier League brachten, auch wenn ich dann Arsenal-Fan wurde) ist wieder eine Macht, und Hertha BSC deutet an, sich nicht mehr nur an den unruhigen Jahren um die zwei Abstiege, sondern auch an den starken Jahren nach dem wegweisenden Aufstieg 1997 messen zu wollen.

Der Herbst war für mich immer eine Jahreszeit des Aufbruchs, auch wenn er sich anders anfühlt: die Schule beginnt, die Uni, die Fußballsaison nimmt Fahrt auf. Auf dem Platz im Petrinum wächst das Gras. Niemand ist (mehr) am Sand.

Geschrieben von marxelinho am 10. Oktober 2018.

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von Jörg (am 11. Oktober 2018)
Den Zusammenhang von Fussball und Autobiographie finde ich einleuchtend, Dein Fragment habe ich gern gelesen. Wonach ich suche, das sind vielleicht Fragmente einer Poetik der Fußball-Erfahrung, wo sicher auch fussball-autobiographische Fragmente ihren Platz haben, wenn auch möglicherweise eher am Rande. Es gibt zwar so etwas wie z.B. Gebauers Poetik des Fussballs, aber momentan würde ich nicht die Zeit aufbringen wollen, das zu lesen. Hast Du? Der Abstraktionsgrad solcher Texte steht für mich zu sehr im Gegensatz zum Fan-Dasein. Es könnte also sein, dass ich im Grunde genommen hinter einer nicht verallgemeinerbaren Poetik der Fussball-Erfahrung des Hertha-Fans her bin, gern fragmentarisch und gern sehr zeitbezogen, mit geringer Halbwertszeit.
von marxelinho (am 14. Oktober 2018)
Das Buch von Gebauer habe ich nie gelesen. Aber der Zusammenhang von Fanerinnerung und Autobiographie liegt natürlich auf der Hand, und interessiert mich sehr. Auch und gerade, was das Leben in Berlin anlangt.
29. September 2018

Somebody to Love

Der gestrige Tag stand bei mir im Zeichen von Freddie Mercury. Am Vormittag gab es eine Pressevorführung von Bohemian Rhapsody, dem Film über das Leben des Sängers von Queen. Ich gehöre auch zu der Altersgruppe, die mit den Hits der englischen Band groß geworden sind, und so hatte ich dann den ganzen Tag hindurch noch die ganzen Songs im Kopf. We Will Rock You!

Bevor ich dann am Abend ins Olympiastadion aufbrach, wollte ich noch eins konzentriert hören, ich entschied mich für Somebody to Love, und mit dieser großen Nummer im Ohr kam ich dann zum Spiel gegen den FC Bayern. Das Freitagabendspiel ließ sich schon vor dem Anpiff gut an, das Dicke B läuft jetzt vor der Verlautbarung der Aufstellung (passt dort auch besser hin), die letzten Minuten vor Spielbeginn gehören jetzt wieder der ollen Hertha-Hymne, von der man eines auf jeden Fall sagen kann: sie ist eines der Alleinstellungsmerkmale von Hertha. Dass es sich um einen verschlurften Hadern handelt, für den Freddie Mercury sich vermutlich geniert hätte, ist im Lauf der Jahre zu einer eigenen Pointe geworden.

Dann kam das Spiel, und das hatte auch einige Pointen. Die schönste setzte Ondrej Duda nach Vorarbeit von Lazaro und Kalou und der halben restlichen Mannschaft kurz vor der Pause, mit einem sehenswerten Treffer. An dem damit erreichten Spielstand von 2:0 änderte sich bis zum Ende nichts mehr, für eine überlange Nachspielzeit gab es keinen Anlass, Hertha verteidigte den verdienten Vorsprung in Halbzeit zwei geschickt und mit ein bisschen Glück.

Schon bei der Aufstellung hatte ich ein gutes Gefühl. Dass Mittelstädt für Plattenhardt kam, zeugt an einer weiteren wichtigen Stelle von der flachen Hierarchie im Kader. Die linke Seite war dann gestern deutlich die konservativere, das machte die rechte aber gut wett.

Thomas Kraft vertrat Rune Jarstein einwandfrei - auch das eigentlich eine eigene Geschichte wert, denn Kraft hätte eigentlich Gründe, mit seiner Rolle zu hadern, dann braucht man ihn aber einmal, und er spielt nicht nur souverän, sondern gibt hinterher auch noch ein tolles Interview.

Skjelbred kam für Lustenberger (oder für Grujic, aber diese Lesart würde eben einen Spieler hervorheben, der es zwar sicherlich verdient, aber im besten Sinne vertreten werden kann). Schon im Vorjahr zeigte sich mehrfach, dass Skjelbred mit Maier gut kann, die beiden harmonierten gestern sehr gut.

Das hat sicher auch mit Duda zu tun, der individuell der bisher auffälligste Herthaner in dieser Saison ist, der aber vor allem in seiner taktischen Rolle ein Schlüssel zu den schönen Erlebnissen dieses Herbsts ist. Vorderster Verteidiger, umsichtiger Schließer von Lücken, und (vor dem 1:0 in einer Bewegung zum Ausschneiden) Umschalter und Vertikalisierer.

Die Betreuer verzichteten auch auf eine Pause für den Kapitän, der in diesen Wochen fit und formstark und spielstark wirkt - nach einer Stunde kam dann Selke. Die beiden Oldies Ibisevic und Kalou zahlen Vertrauen derzeit in riesigen Tranchen zurück und gehen auf teils unnachahmliche Weise voran.

Die Bayern waren gestern überwindlich, sie hatten sehr gute Chancen, aber man hatte nie das Gefühl, dass sie Hertha irgendwann anpieksen würden, und dann wäre die Berliner Luft sofort draußen. Lazaro wurde zum Beispiel mehrfach gefährlich überlaufen, aber seine offensiven Beteiligungen überwogen diese Probleme bei weitem - auch deswegen, weil die Innenverteidigung extrem konzentriert arbeitet.

Das gilt auf eine erstaunliche Weise für den ganzen Verein. Hertha hat sich in diesem langen Sommer ein bisschen neu erfunden, dabei aber tatsächlich nur auf die Arbeit dreier Jahre einige entscheidende Facetten draufgesetzt. Pal Dardai erzählt das selbst so, es ist aber gedeckt durch das, was wir auf dem Feld sehen. Meine Leitmetapher habe ich schon neulich einmal gebraucht: Hertha ist im besten Sinn elastisch, die Mannschaft hat Spannkraft, individuell wie als Formation, sie verarbeitet Druck in Bewegung.

Das Ergebnis des perfekten Hahohe-Abends könnte sein, dass Hertha morgen auf Platz 5 in der Tabelle zu einer extrem dichten Spitzengruppe gehört. Zu einer spannenden Liga gehört, dass möglichst viele Teams sich nicht verstecken. Hertha hat in dieser Saison schon bewiesen, dass sie Verantwortung übernimmt - in erster Linie natürlich für sich selbst, aber in weiterer Folge dann auch für einen Spielbetrieb, der in vielerlei Hinsicht unter Druck steht. Wir können ohne Weiteres die Kneipe im Dorf lassen, und doch behaupten: In dem, was Hertha gestern und schon seit August gezeigt hat, steckt eine Menge von dem, was Fußball so großartig macht.

Geschrieben von marxelinho am 29. September 2018.

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von Jörg (am 30. September 2018)
Gegen Bremen hat man gesehen, wie die neue Hertha spielt, wenn sie schlecht spielt. Unkonzentriert, fehlerträchtig, mit zu wenig Zug, nachlässig. Das Besondere der neuen Hertha ist zum einen, dass es in jeder Situation viele nach vorn orientierte Anspielmöglichkeiten in der neuen taktischen Variabilität gibt, dass die offensiven Spielzüge einigermaßen sitzen sowie schließlich die neue individuelle Klasse. Gegen Bremen hat das eine Tor von Dilrosun jedoch gezeigt, dass nur die individuelle Klasse allein nicht genügt. Bremen stand besser und ist nicht nur mehr sondern auch besser gelaufen. Um Anspielmöglichkeiten und danach Chancen zu generieren, muss Hertha viel laufen. So wie gegen Bayern. Mit dem Anstoß war ich beeindruckt, als sich die ganzen großen Bayern-Namen mit ihrer für mich auch beeindruckenden Physis wie eine Panzerfront auf den Pfiff hin gemeinsam in Bewegung setzte. Umso glücklicher war ich, als Hertha ganz unbeeindruckt, wie eine Fahrradkavallerie durch die Bayernpanzer hindurch radelte und immer wieder offensive Spielzüge spielen konnte. Am meisten Angst hatte ich um Mittelstädt und Lazaro in der Außenverteidigung. Für mich war das nur eine Frage der Zeit, dass Robben seinen One-Trick-Pony-Trick ansetzt und Mittelstädt düpiert. Oder dass der Ganzmuskelmann Ribery Lazaro ein weiteres Mal überläuft, und dann doch noch jemand eine Lücke in der überragenden Innenverteidigung findet. Aber das Mittelfeld war so gut, dass Bayern am Ende nicht oft genug gefährlich durchkam. Selten habe ich in einem Spiel so häufig ungläubig den Kopf geschüttelt, und ich kann mich nicht erinnern, jemals bei Hertha so eine gute Halbzeit wie die erste gegen Bayern gesehen zu haben.
28. September 2018

Jubel, Dusel, Weiterkeit

Neulich in Wolfsburg lagen nur ein paar Sekunden zwischen der Jubeltraube nach dem Freistoß von Duda und der Ernüchterung nach dem prompten zweiten Gegentreffer. Zwischen dem beglückenden Sieg über Gladbach und dem Anstoß am vergangenen Dienstag in Bremen lagen keine 75 Stunden, auch das eine kurze Spanne, und entsprechend ernüchternd war dann die erste Niederlage in der Saison.

Ich musste mir das Spiel in der Konserve anschauen. 18.30 sollte für die meisten Menschen schon Feierabend sein, für einen Freiberufler wie mich sieht das anders aus - übrigens hatte ich ein wirklich starkes Konkurrenzprogramm: eine Pressevorführung von The House That Jack Built, dem neuen Film von Lars von Trier. Auf dem Heimweg, bei dem mich die BVG wieder einmal zu einem Bummeltrip verurteilten, sah ich dann schon das Resultat und war an dem Abend nicht mehr motiviert, mir das Spiel anzuschauen. Ich sah dann lieber Freiburg dabei zu, wie die Truppe des Rinderbarons ins Leere laufen ließen.

Inzwischen habe ich mir von der Niederlage in Bremen ein Bild gemacht. Das Spiel war alles andere als eindeutig. Wenn Plattenhardt den Elfmeter nicht verursacht, ist ein Ausgleich für Hertha absolut drin. Und es spricht für die veränderte Grundstimmung und auch -konzeption, dass die Mannschaft selbst mit einem 0:2 zur Pause noch absolut im Spiel ist.

Allerdings war das ganze Spiel von engen Situationen geprägt, und in diesen Situationen hatte Bremen sehr oft (und letztlich entscheidend) das bessere Ende. Beim 0:2 ist das deutlich. Der Eckball kommt überhaupt nur zustande, weil Plattenhardt sich (wie mehrmals an diesem Abend) ganz leicht überspielen (überlaufen) lässt. Der Zweikampf im Fünfer ist für meine Begriffe grenzwertig, wurde aber zu Gunsten des Torschützen entschieden. Vergleichbare Momente gab es immer wieder.

Insgesamt fehlte die Balance. Arne Maier rückte eine Position nach vorn, war im Spiel aber häufig zu weit vorn, eine Folge wohl auch der Bremer Raute, die dafür sorgte, dass Hertha keinen Zugriff bekam: Duda, Maier, Plattenhardt, Lazaro und schließlich Lustenberger liefen oft hinterher. Hertha war aber sowieso in den ersten Spielen auch schon nicht unverwundbar, es kamen viele gefährliche Bälle vertikal auf die Viererkette zu. Die vielen Elfmeter sind nicht nur kurios, sondern auch Indizien.

Die Verletzung von Grujic schmerzt mehr, als es uns lieb sein kann. Aber das ist Fußball. So war es schon mit Duda vor zwei Jahren, und so ist es derzeit mit Darida, über den kaum jemand ein Wort verliert in diesen Tagen. Wir freuen uns über einen großartigen Transfer, und Patrick Hermann tritt ihn für eine Weile aus der Liga.

In das Bayern-Spiel heute Abend wird die Mannschaft ernüchtert gehen. Es gibt aber keinen Grund, von vornherein die Waffen zu strecken. Mit Dilrosun und vermutlich Selke gibt es zwei Zielspieler, dazu wird wahrscheinlich Kalou wieder für Verzögerungen und Beschleunigungen sorgen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Coach Mittelstädt einbaut.

Denkbar wäre diese Formation: Jarstein/Kraft. Rekik - Lustenberger - Stark. Plattenhardt - Duda - Maier - Kalou - Lazaro. Mittelstädt - Selke - Dilrosun. Der Kapitän hat zuletzt stark gespielt, heute wäre die ideale Gelegenheit für eine Pause. Bleibt immer noch ein bisschen die Frage der Balance - was macht man gegen Alaba/Riberty? Vielleicht doch mal wieder mit Pekarik und dafür Kalou opfern? Nur auf Tempo beim Umschalten würde ich nicht setzen. Kalou hat Intuition, das ist gegen Bayern viel wert.

Freitag 20.30 bei Flutlicht hat Hertha das erste von zwei Freispielen. So hätte ich das noch im Vorjahr geschrieben, doch inzwischen bin ich guten Mutes, dass heute eine konkurrenzfähige Mannschaft antreten wird.


Geschrieben von marxelinho am 28. September 2018.

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23. September 2018

Zappadoing!

Wie war das noch mal mit Javairo Dilrosun? Als im Mai dieses Jahres seine Verpflichtung bekannt gegeben wurde, da habe ich nicht genau aufgepasst. Ich war naturgemäß neugierig auf ihn, meinte aber, er wäre wohl auf Leihbasis gekommen. Neulich sah ich aber einmal nach, und stellte fest: der Niederländer mit Wurzeln in Surinam hat in Berlin bis 2022 Vertrag. Und er hat nicht einmal Ablöse gekostet, sondern nur Ausbildungsentschädigung.

Dilrosun ist eine der Geschichten bei Hertha in der frühen Phase dieser Saison. Er gibt einer Mannschaft Profil, die im Vergleich zum Vorjahr kaum wiederzuerkennen ist. Gestern gewann Hertha mit 4:2 gegen Gladbach, es war der Sieg einer Personalplanung, die nun nahtlos in Personalentwicklung weiterzugehen scheint.

Vor einer Woche hat Gladbach den Vizemeister Schalke 04 noch phasenweise schwindlig gespielt. Gestern hatte Hertha die Sache so weit im Griff, dass nur einige wenige vertikale Bälle für Probleme (und naturgemäß einen "weichen" Strafstoß) sorgten, und eine Flanke auf Plea. Und dies, obwohl mit Rekik und Torunarigha zwei defensive Schlüsselspieler fehlen. Lustenberger hat sie tadellos vertreten.

Um ehrlich zu sein, gab es in der zweiten Halbzeit eine Phase, in der ich ein wenig um die Souveränität fürchtete. Mir kam vor, dass Kalou zu wenig zum Spiel beitrug, der innere Feldherrenhügel in mir überlegte schon, ihn auszuwechseln, um den Kontern ein wenig mehr Geschwindigkeit zu geben, zum Beispiel durch Jastrzembski.

Doch dann bekam Kalou rechts einen Ball, mit dem er immer schneller wurde. Und der Kapitän nahm in der Mitte auch Fahrt auf, er schlug diese typischen Strafraumstürmerhaken, die ihn exakt in die Lage brachten, eine wunderbare flache Hereingabe von Kalou zu verwerten. Das war das 3:1 und die Vorentscheidung. Es kam von den Oldies in einer bestens balancierten Mannschaft.

In der Halbzeit hatte ich einen Tweet in die Welt geschickt: Mann der Stunde - Michael Preetz. Jeder Stunde geht eine lange Entwicklung voraus, und Entwicklungen haben es an sich, dass sie nicht zwangsweise in etwas aufgehen müssen. In dem Fall der langfristigen Kaderplanung bei Hertha ist es aber so, dass in diesen Wochen plötzlich vieles zusammenpasst: Duda (kam 2016), Lazaro (2017, seit 2018 fest verpflichtet), Jarstein (2014), Dilrosun (2018), Grujic (2018), Arne Maier (2017, aus der eigenen Nachwuchsarbeit), dazu Stark, Plattenhardt, und vornweg die beiden rüstigen Senioren, die von vornherein den Status einer Übergangslösung hatten. Diesen Status füllen sie jetzt, da ihre Ablösung allmählich wirklich näher rückt, noch einmal großartig aus.

Lazaro gab in Halbzeit eins eine Demonstration seiner Polyvalenz, ein Flügelstürmer, der als Außendecker aushilft (und zwar so, dass Mitchell Weiser nicht eine Sekunde vermisst wird), der dann in der Zentrale einen Move einleitet, den er schließlich im Fünfmeterraum per Kopf abschließt. Flanke von Dilrosun, dazwischen noch Duda, der wiederum ganz andere Qualitäten ins Spiel bringt. Hertha ist super elastisch in dieser bisherigen Hinrunde, mal strafft sich die Mannschaft für kleine Schwingungen, gestern aber gab es sehr schöne Spannungsausschläge: Zappadoing!

Gladbach ist für so ein Spiel naturgemäß ein idealer Gegner, es war ein Spiel zweier Mannschaften, die im Grunde analoge Konzepte hatten, es ging also darum, welche Mannschaft ihres durchsetzen würde. Diese Frage hat Hertha besonders beeindruckend gelöst - das war ein anderer Sieg als der gegen Schalke, es war ein Heimsieg von einem Team, das sich vor nichts drückte. Auch das ein Klassenunterschied zu einer Hertha, die noch vor sechs Monaten oft kaum wusste, wohin mit sich selbst vor eigenem Publikum.

Nun passt vieles zusammen, den Unterschied aber macht ein Spieler wie Dilrosun, der in der Lage ist, Dynamiken zu entfesseln. Er hätte auch andere Optionen gehabt, wir können aber wohl annehmen, dass ein herrlicher Fußballnachmittag wie der gestrige ihm schon gezeigt haben, dass er alles richtig gemacht hat, indem er nach Berlin kam. Wenn er so weitermacht, und die Mannschaft ihn nicht irgendwann wieder hängen lässt, dann ist er ohnehin nur ein Jahr hier, aber Hertha wird viel Geld für ihn bekommen.

Die Alternative ist nach vier Spieltagen noch etwas für die Träume, fällt allerdings schon ein bisschen in die Rubrik konkrete Utopie: Hertha hat in diesem Jahr (auch nach dem Tritt, mit dem Patrick Hermann Grujic schwer verletzt hat) das Personal für eine Geschichte, an der vielleicht auch ein Ausnahmetalent wie Javairo Dilrosun noch ein wenig länger teilnehmen könnte. Zumindest an diesem Sonntag gilt: das spannendste Projekt in der Bundesliga findet zur Zeit in der Hauptstadt statt. Dass ich das einmal schreiben kann ....

Geschrieben von marxelinho am 23. September 2018.

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von Jörg (am 23. September 2018)
Große Freude, dass ich das einmal lesen darf: "das spannendste Projekt in der Bundesliga findet zur Zeit in der Hauptstadt statt." Im Spiel hat die Mannschaft nach einer Startaufstellung mit 4-1-4-1 zwischen 4-2-3-1 und 4-3-3 gewechselt, mit einem variablen Grujic, und das Frappierende war, dass gegen die gute Gladbacher Mannschaft mühelos Chance um Chance erspielt wurde. Anfangs raunte man noch: "das rächt sich", als 100%-ige nach 100%-ige vergeben wurde, und tatsächlich wurde gleich, wie um einen Haken dahinter zu machen, der obligatorische Elfer abgeholt. Das war dann aber nur der Anlass, die nötige Entschlossenheit und Fokussiertheit in der Mannschaft zu wecken. Bei Robben ärgert mich der immer gleiche Trick: nach innen ziehen und Torabschluss, Dilrosuns Signatur lässt mein Herz höher schlagen: mit einem Dribbelkunststück den Verteidiger aussteigen lassen, zur Grundlinie, und Pass/Flanke. Auch dass ein rechter Außenverteidiger einen Spielzug initiiert, den er selbst mit einem Kopfballtor abschließt, ist für mich außergewöhnlich. Mein Gefühl ist, dass die Schwächelphase, die es jetzt immer gab in den Spielen, etwas kürzer wird, ohne dass ich mir erklären kann, warum das so ist. Zwei, drei Mal war die 6er-Position im Spiel bei gegnerischem Ballbesitz nicht gut besetzt. Momentan vertraue ich jedoch, dass Dardai den ausgezeichneten Grujic gut ersetzen kann: defensiv mit Skjelbred, Lustenberger, Stark, Luckassen -- oder warum nicht einmal offensiv mit dem jungen Palko?