30. November 2017

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind

Mesut Özil spielt mal so, mal so. Das unterscheidet ihn nicht von anderen Spielern, aber zuletzt fiel deutlich auf, dass er für Deutschland meistens so, bei Arsenal hingegen meistens so (also anders) spielte. Der elegante Flow, den er in die deutsche Elf bringt (Özil - Götze - Stindl, was für ein Move!), bleibt bei dem Arbeitgeber in London oft nur Wunschdenken. Gestern aber war Özil auch für Arsenal wieder einmal so, wie man ihn sich erträumt: ein brillanter Einfädler, einer, der mit seinem Pneuma das Spiel wie ein Mobile um sich herum in Schwebe versetzt. Arsenal gewann 5:0 und gehört wieder einmal zu den Top 4 in England (vier Punkte Vorsprung auf die gerade schwächelnden Rivalen Tottenham Hotspur).

Ein Name muss aber unbedingt hinzugefügt werden: Özil kann auch deswegen glänzen, weil Aaron Ramsey ihm nicht nur die Räume freiläuft, sondern die Gegner seinerseits so intensiv beschäftigt, dass die eigentlichen Offensivspieler Özil und Sanchez viele Möglichkeiten bekommen. Zudem hilft da auch die Grundformation: Bellerin und Kolasinac gehören bei Arsenal wirklich eher zum Mittelfeld, gerade gegen einen Gegner wie Huddersfield war da geballte Angriffsarbeit möglich. Leider verletzte sich Lacazette, der sich als gute Verstärkung erwiesen hat, aber Giroud (ich war immer ein Fan von ihm) sollte das kompensieren können.

Aaron Ramsey ist ein Spieler, den jemand wie Arne Maier genau studieren sollte. Im Hertha-Gefüge könnte man ihn am ehesten mit Darida vergleichen, immer mit der Einschränkung, dass Hertha natürlich insgesamt deutlich konservativer spielt - wenn es nicht gerade 0:3 gegen Gladbach steht. Ramsey taucht für einen Achter auffällig häufig im Strafraum auf, er bietet viele Doppelpässe an (die bei Arsenal häufig auch funktionieren, bei Hertha geht das oft schief). Gegen Huddersfield hat Ramsey zweimal brillant durchgesteckt und weitergeleitet.

Hinten spielt Arsenal in diesen Wochen mit der Dreierformation Monreal - Mustafi - Koscielny, der junge Holding ist wieder weit weg von der Startelf, weil Mertesacker auch wieder da ist. Er sitzt jetzt schon so neben Arsene Wenger, als wüsste er, dass er irgendwann seine Position übernehmen wird. Dass Mertesacker für Arsenal in der Zukunft eine wichtige Figur werden dürfte, ist eine der Personalangelegenheiten, die mich positiv stimmen. Wie auch die Verpflichtung von Sven Mislintat vom BVB.

Die augenblicklich gute Stimmung sollte aber nicht überbewertet werden. Noch der Sieg gegen Burnley vor ein paar Tagen war äußerst zäh und brauchte einen eher geschenkten Elfmeter in letzter Minute. Am Wochenende kommt Manchester United ins Emirates, das wird ein anderer Test als zuletzt Tottenham, die im Derby eine ungewohnt schwache Leistung zeigten.

Ohnehin wird die positive Ausstrahlung von Mesut Özil und auch Alexis Sanchez am Mittwochabend gegen Huddersfield nichts mit einer neuen Liebe zu Arsenal zu tun haben. Beide werden nicht mehr lang da sein, und dann braucht es ein paar bedeutendere Neuzugänge - wobei der Wunschspieler Thomas Lemar für die linke Seite dann ja vermutlich immer noch in Frage kommt, und auch für den eleganten Beweger Mesut Özil wird sich Ersatz finden, wenn auch kein gleichwertiger, denn Özil ist ein einzigartiger Spieler - das 5:0 gegen Huddersfield kann er sich einrahmen lassen, wenngleich wie gesagt vielleicht mit einem Autogramm von Ramsey.


Eingestellt von marxelinho am 30. November 2017.
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