19. Dezember 2019

Enge Woche

Die Bundesliga ist eine enge Liga. Das wird besonders deutlich in einer englischen Woche, die man auch enge Woche nennen könnte. Hertha stand am vergangenen Samstagmorgen noch mitten im Abstiegskampf, hatte vier Punkte Vorsprung auf den Tabellenletzten aus Köln, und befand sich auf dem Punktelevel des Relegationsplatzes. Einen Samstag und einen Mittwoch und zwei Siege mit 1:0 später hat Hertha immer noch vier Punkte Vorsprung auf Köln, allerdings befinden sich beide nun eine Tabellenetage höher. Und Hertha hat sieben Punkte Rückstand auf Platz 6. Sowie sechs Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz.

Dass es in Leverkusen etwas zu holen gab, hatte auch mit Köln zu tun. Bayer kam aus einem traumatisierenden Derby und stand unter Druck, sich vor eigenem Publikum zu rehabilitieren. Hertha konnte mit einer orthodoxen Formation antreten, und schaffte einen klassischen Upset: mit Skjelbred statt Ibisevic, mit den schnellen Wingern Lukebakio und Dilrosun, und mit einem unwahrscheinlichen Torschützen (Rekik) lief alles nach Matchplan. Bayer war so groggy, dass sie sich nicht einmal mehr an schwachen Herthanern (Plattenhardt gegen Diaby) aufrichten konnten.

Vielleicht konnte man da sogar eine Folge der gemächlichen Hertha aus der früheren Phase der Saison erkennen. Unter Ante Covic waren die Laufleistungen häufig gering, nun wirkt die Mannschaft zumindest nicht vollkommen platt. Und nun wartet noch ein Topspiel gegen Gladbach.

Da wird es dann allerdings einer besseren Offensivleistung bedürfen. Hertha hatte gestern so viele interessante Umschaltsituationen, dass man normalerweise eigentlich nicht gewinnen dürfte, wenn man so damit umgeht. Die zerstreuten oder unnötig hektischen Zuspiele, die vertändelten Bälle, die Dribblings gegen sich selbst waren der eigentliche Refrain des Spiels. Geistig wach wirkte die Mannschaft nur defensiv, angeführt von Boyata, der sich zumindest als Turm in der ohnehin eher schwächlichen Leverkusener Brandung versuchte.

Der Kopfball von Volland gleich nach dem Führungstreffer erinnerte dann daran, dass Hertha erst neulich gegen Frankfurt noch eine Führung aus der Hand gegeben hatte. Wenn man diese Großchance mit dem Tunnel vergleicht, durch den Rekiks Ball nach einem super Pass von Dilrosun ins Tor fand (de facto sah das aus wie ein Wurmloch), dann weiß man wieder ein bisschen mehr über die Nuancen des Erfolgs. Allerdings mochte man dann auch wieder daran denken, dass Hertha noch vor kurzer Zeit und noch unter Ante Covic den derzeitigen Tabellenführer Leipzig herausgefordert hat.

Der damals nicht gegebene Elfmeter und das damals durchaus mögliche andere Ergebnis fehlt nun in einer Tabelle, die dafür zwei Arbeitssiege als erste Zwischenbilanz des Performance Managements unter Klinsmann stehen hat. Zufällig sind daran letztlich doch nur die Details, in der Summe war das Ergebnis gestern stimmig, und sogar deutlich zu niedrig.

PS Die Aufstellung von Skjelbred und die Berichte über einen Sechser, den Hertha angeblich im Winter kaufen will, bedeuten nichts Gutes für die Rolle von Arne Maier unter Klinsmann. Ich denke, dass jeder Blauweiße im Moment gespannt auf das Comeback der Nummer 23 wartet - gegen Gladbach wäre er sicher eine Bereicherung, vorbehaltlich seiner Fitness, über die ich natürlich nichts weiß.

Eingestellt von marxelinho am 19. Dezember 2019.

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