27. Oktober 2019

Flutschpartie

Hertha sammelt unnötige Niederlagen. Das 2:3 gegen Hoffenheim wies auffällige dramaturgische Parallelen zu dem 1:2 in Mainz auf. Rückstand, Comeback, und dann ein Corner, der schlecht verteidigt wird und alles zunichte macht. Es gab natürlich auch Unterschiede: gestern war das ein Heimspiel, und Hertha spielte eine relativ starke erste Viertelstunde. Danach aber konnte man ein wenig Ratlosigkeit erkennen: nach drei verpassten Chancen noch mehr ins Risiko gehen, oder erst einmal ein wenig abwarten?

Es sind die Unklarheiten einer Mannschaft, die nicht genau weiß, wissen kann, wo sie steht. Es sind auch persönliche Unklarheiten: Marco Grujic wird nur dann ein kompletter und großer Mittelfeldspieler (wofür er die Anlagen hat), wenn er seine defensive Lethargie überwindet. Marvin Plattenhardt war einmal ein Spieler mit großer Perspektive auf einer der nachgefragtesten Positionen im Weltfußball - einige Jahre später ist er ein beschämend einbeiniger Wackelkandidat mit einem allzu überschaubaren Repertoire. Marius Wolf hat elastische Beine und ein großes Repertoire, spielt dann aber wieder Bälle, bei denen man das Gefühl hat, er wüsste nicht, wo er sich befindet.

Die Fans haben den wunderschönen Herbsttag offensichtlich genossen (ich bin unterwegs und musste mich mit dem Rechner zuschalten), live muss es eine stimmungsvolle Sache gewesen sein. Aber es war kein gutes Spiel, auch nicht in der Phase, in der die zwei Tore nach dem 0:2 gelangen. Immerhin muss man Ante Covic zugute halten, dass er gut gewechselt hat: Duda spielte den schönen Pass auf Darida, der zum Ausgleich führte. Kalou hatte allerdings außer dem Tor keine weitere gute Aktion, und das war für mich der Eindruck, der alles überwog: keinem einzigen Herthaner gelang es, einmal so etwas wie Kontinuität ins Spiel zu bringen, auf einzelne gute Aktionen folgte konfuses Zeug.

Die berühmte Klarheit in den Aktionen hat fast die ganze Zeit gefehlt. Dazu kam schon zum zweiten Mal in Serie ein Referee, der bei seinen Zweikampfbewertungen vollkommen willkürlich schien (mit einer allerdings deutlichen Tendenz gegen Hertha). Die Fernsehreporter zeigen dann immer vermeintlich bedeutsame Szenen, was sie allerdings nicht in den Blick bekommen, ist die Zerstörung des Spiels durch fortwährende Unklarheit in der Leitung.

Personell ist bei Hertha nun wieder allgemeiner Gleichstand hergestellt. Ibisevic hat Selke ein paar Tore voraus, hat für meine Begriffe aber mit seiner Erregbarkeit keinen guten Einfluss auf die Mannschaft. Boyata erwies sich gestern als genauso fahrig wie Stark oder Rekik häufig, ich sehe keinen Grund, Torunarigha komplett von der ersten Elf wegzuschließen. Maier fehlt sehr. Jetzt gibt es aber ohnehin eine englische Woche, da wird es wohl ein wenig Mischung in den Aufstellungen geben.

PS Heimspiele haben den Vorteil, dass die gastgebende Mannschaft den Rasen nach ihrem Gutdünken wässern kann. Hertha (allen voran Boyata, aber auch Wolf) war gestern wie bei einer Rutschpartie unterwegs. Sinn der Sache?

Eingestellt von marxelinho am 27. Oktober 2019.

1 Kommentare

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von Jörg (am 27. Oktober 2019)
Gestern war ich im Stadion. Momentan macht es mir Spaß, die Mannschaft spielen zu sehen, auch wenn die Punkte nicht gemacht werden. Die Punkte werden durch fehlende Zuordnung in der Defensive abgegeben, sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld. Solange ich aber nicht das Gefühl habe, Hertha spielt wie ein Absteiger (so wie vor ein paar Spieltagen) offensiv ohne Durchschlagskraft und ohne Möglichkeit, sich auf den Gegner einzustellen, solange macht mir die Mannschaft mit ihren Offensivzügen und Einzelkönnern (Dilrosun, Lukebakio, auch Kalou hatte gestern starke Solos) gerade Spaß. Ich rege mich sehr auf über die Böcke im Defensivbereich und freue mich sehr über die Juwelen in der Offensive. Ob wir so Europa erreichen, das bezweifle ich aber leise :-)