10. Dezember 2017

Lammfromm gegen die Heiligen

An einem Sonntagmittag im Dezember, wenn in England der Wind an der Cornerfahne zieht und das nasskalte Wetter an der Laune, an so einem Sonntagmittag im Dezember muss in der Premier League auch jemand Fußball spielen. Anders gibt es die Rekordeinnahmen aus den Fernsehverträgen nun einmal nicht. Heute Mittag traf es Southampton und Arsenal. (In Deutschland musste in Köln sogar Schnee geschaufelt werden.)

Arsenal hatte vergangene Woche das Spitzenspiel (bei einem doch inzwischen deutlich erweiterten Begriff von Spitze) gegen Manchester United mit 1:3 verloren. Es war ein seltsames Spiel, weil Arsenal offensiv Glanzpunkte setzte, defensiv aber mehrmals markante Aussetzer hatte. Von Mesut Özil war es eines seiner besten Spiele überhaupt. Immer mehr gewinnt man bei ihm den Eindruck, dass sein künftiger Verein seine beste Karrierephase abbekommen wird.

Arsenal wird das aller Wahrscheinlichkeit nicht sein, und zwar gerade auch deswegen, weil dann halt immer wieder Spiele wie gegen Southampton kommen, in denen die ganze Mannschaft wie gelähmt wirkt. Ein frühes Gegentor hätte heute beinahe zu einer weiteren Auswärtsniederlage gereicht (nach Stoke, Liverpool, Watford und ManCity wäre es die fünfte gewesen). Ein Lupfer von Sanchez auf den spät eingewechselten Giroud brachte immerhin noch einen Punkt.

Arsenal spielt seit einem Dreivierteljahr meistens mit einer Dreierkette. Heute war Mertesacker der zentrale letzte Mann, er lieferte keine Argumente für eine dauerhafte Rückkehr in die Stammelf - nominell vertrat er Mustafi. Den Treffer durch Charlie Austin leitete Mertesacker mit einem Fehlpass im Aufbauspiel ein. Arsenal ist eine brillante Kontermannschaft, lässt sich aber vor allem auch sehr oft auskontern. Oft reichen dafür auch dreißig, vierzig Meter im finalen Drittel und ein, zwei dafte Pässe oder auch nur Ablagen.

Özil war in den restlichen 85 Minuten nicht schlecht, fand aber in Sanchez und Lacazette (beide waren gegen ManU herausragend) keine Partner, und auch Ramsey und der seltsam neutral spielende Xhaka blieben blass. Dazu zwei zerstreute Außenspieler, Kolasinac und Bellerin, und man hat eine leblose Mannschaft.

Southampton verdient aber auch Anerkennung. Ich habe Arsenal schon oft bei den Saints gesehen, sehr oft haben sie sich sehr schwer getan. Seltener besungene Helden wie James Ward-Prowse oder Maya Yoshida (an Virgil van Dijk haben einige Topclubs Interesse) fügen sich in eine super homogene Mannschaft, von der Hertha einiges lernen könnte, vor allem, was die Ruhe beim Herausspielen anlangt. Auch einen sehr geschickten Pragmatismus im Passspiel, denn Sicherheit geht natürlich vor, und doch bricht Southampton viel seltener eine Ballbesitzbewegung nach hinten ab.

Bei Arsenal setzt sich die lange bekannte Tendenz fort, dass man auch aus Unausgeglichenheit ein "same old, same old" machen kann. Bis Anfang Jänner geht es jetzt mit einem extrem anspruchsvollen Programm weiter - so richtig tief ist der Kader dafür nicht. Im Transferfenster wird sich dann vermutlich ohnehin eine Menge tun.

Der Abstand auf Platz 4 beträgt nur drei Punkte, aber die Zeichen sind doch deutlich: Arsenal ist eine Europa League-Mannschaft geworden, die immer noch ab und zu mit einer zweiten Mannschaft 6:0 über Bate Baryssau hinwegfegen und in Bestform Manchester United immerhin ins Schwitzen bringen kann. Aber für die Ligaspitze (oder auch nur für eine unangenehmen Sonntagnachmittag an der Küste) fehlt es doch deutlich an allem: an Einstellung, an Konzentration, an einem Plan und an Lösungen.


Eingestellt von marxelinho am 10. Dezember 2017.
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