16. Februar 2020

Regionalmetropolenclub

Am Freitagabend gab es eine Neuigkeit, von der man mit ein bisschen Ironie sagen könnte, dass sie vor allem in Berlin mit großem Interesse aufgenommen werden müsste. Manchester City wird von der Uefa für zwei Saisonen von der Teilnahme an der Champions League ausgeschlossen - der Fall geht noch vor das CAS, es wäre aber ein Riesenskandal, wenn das Urteil kassiert würde.

Skandalös ist natürlich auch, dass es einen Datenhack brauchte, damit die Uefa sich genauer ansah, was im Grunde mit freiem Auge zu erkennen war. Wie auch immer, wenn das Urteil durchgeht, dann könnte eine der Folgen sein, dass im Sommer nicht nur Niko Kovac, sondern auch Pep Guardiola auf dem Markt ist.

And now for something completely different: Hertha hat gestern ein Ostwestfalen ein Duell im Abstiegskampf gegen den Small City Club oder Regionalmetropolenverein SC Paderborn mit 2:1 für sich entschieden, und hat derzeit, weil Bremen und Düsseldorf auch verloren, neun Punkte Abstand zu Platz 16. Es war die erste Interpretation des derzeitigen Spielerangebots durch Team Nouri. Hertha spielte mit einer Dreierkette, in der Rekik den Vorzug vor Torunarigha erhielt.

Rechts spielte Pekarik, wo vor allem der Sky-Kommentator Michael Born eigentlich Klünter erwartet hätte. Vorne spielten die Neuen: Piatek und Cunha. Im Mittelfeld spielten die Zwillinge, Ascacibar und Skjelbred, davor oder halb daneben Arne Maier. Links Mittelstädt. Es war eine sinnvolle Formation, mit der Spielaufbau auf ein Minimum reduziert werden konnte. Es reichte zu zwei Treffern, mit denen der eine Gegentreffer gegenstandslos wurde, bei dem sich Boyata und Jarstein ähnlich blamierten wie neulich Torunarigha gegen Onisiwo.

Zur Pause kam Darida für Skjelbred, womit die Formation ein bisschen konstruktiver wurde. Arne Maier deutete ein paar Mal an, dass er spielgestaltend etwas einbringen kann, nach wie vor meine ich, dass er das umso besser tut, je weiter hinten er damit beginnt. Cunha spielte wie einer, der sich bei den Jetlag-Pillen ein wenig in der Dosierung vertan hat, sein entscheidendes Tor hatte entsprechend einen nicht geringen Faktor Kuriosität.

Interessant war, wie hart Steffen Baumgart danach mit seiner eigenen Mannschafts ins Gericht ging. Ein bisschen blöd müssen sie sich wirklich vorkommen: sie spielen gegen einen Big City Club, der sich auf eine altertümliche Strategie zurückzieht, wie eine ostwestfälische Variante eines Guardiola-Teams (also variantenreichen Dominanzfußball, halt mit ein bisschen weniger Qualität als Sterling oder Aguero), und bekommen hinten zwei blöde Tore. Hertha hat die Punkte, und konnte sich auf "die Unruhen" (Nouri) der vergangenen Woche hinausreden, dass sie eher auf die schlichte Art errungen wurden.

Das Heimspiel gegen Köln wird dann schon eher ein Gradmesser. Wobei es im Grunde in dieser Spielzeit eh schon egal ist, wie Hertha punktet, im Sommer steht sowieso noch einmal ein großer Umbruch an. Und ein weiterer Neubeginn.

Das Exempel Manchester City wird Hertha dabei nicht so sehr wegen Guardiola interessieren, sondern aus einem anderen Grund: Wenn Tennor BV weiteres Geld in den Big City Club stecken will, stellt sich dann ja bald einmal die Frage der Zulässigkeit. Bisher war alles gut, von nun aber kommt man schnell in den Verdacht des Finanzdopings. Zwar ist die Liga da nicht übermäßig streng, aber einfach so mit Millionen um sich werfen geht jetzt auch nicht mehr so leicht.

Eingestellt von marxelinho am 16. Februar 2020.

0 Kommentare

Kommentieren