02. Februar 2019

Überzahlspiel

Eine spannende Woche liegt vor Hertha BSC: Wolfsburg und Bayern daheim und dann noch Gladbach auswärts, an Bremen und die Bayern im Ligaspiel kann man auch schon den einen oder anderen Gedanken hegen. Hertha wird sich eine Weile in der oberen Tabellenhälfte umtun - das Cupspiel bildet dabei ein Nadelöhr in einen möglicherweise spannenden Frühling.

Bei den vielen Spielen wird es sicher auch personelle Varianten geben. Die Varianten stehen in diesen Wochen auch im Zeichen individueller Karriereplanungen: bei Fabian Lustenberger fiel bereits eine Entscheidung, bei Vedad Ibisevic müssen Spieler und Verein wohl bald eine treffen. Bei zwei weiteren Spielern könnte im Sommer trotz laufender Verträge etwas passieren, sollten sie in der Rückrunde wenig spielen: Kalou und Torunarigha.

Das hat alles mit einem Umstand zu tun, über den ich neulich schon geschrieben habe, und den die Kollegen von der Hertha Base zuletzt an Fabian Lustenberger festgemacht haben: Hertha hat immer einen Spieler zu viel - oder eine Position zu wenig, je nachdem.

Tatsächlich sind die Veränderungen in den ersten beiden Spielen der Rückrunde am deutlichsten an Arne Maier zu erkennen. Er spielt nun eine Position weiter vorn, ist nicht mehr der haltende Sechser. Gegen Nürnberg gab es diese Position de facto gar nicht mehr, gegen Schalke rückte Lustenberger auf diese Rolle in eine Raute. Die Auswirkungen dieser Formation auf das Flügelspiel (bzw. die latente Überforderung von Plattenhardt, Lazaro kommt besser zurecht mit dieser Jobbeschreibung) wurden schon erwähnt.

Die Formation steht von zwei Seiten her auch unter dem Druck individueller Ambition: Torunarigha und Kalou. Beide gehören eigentlich in die erste Elf von Hertha, für beide ist nicht so richtig Platz. Bei Selke ist die Situation anders: er spielt zwar, muss sich aber als Goalgetter gedulden. Er muss mit Assists und mit Wühlarbeit punkten.

Die neue Position von Maier kann man besonders gut bei dem Kontertor sehen, mit dem Hertha gegen Schalke begeisterte: der Spielzug wird von Grujic eröffnet, und dann marschiert eine Fünferzange los. Schalke ist bei diesem Move von Beginn an hoffnungslos in Unterzahl. Selke ist schon hier im Grunde der Flügelmann (später schlägt er eine Flanke auf Ibisevic zum zweiten Tor), er deutet Duda auch den orthodoxeren Pass an, wir kennen die Alternative, weil Grujic sie so elegant veredelt hat.

Lustenberger war zu diesem Zeitpunkt im Mittelkreis. Fünf Herthaner waren gar nicht mitgegangen. Es war ein Konter nur mit dem nötigsten Personal. Entscheidend ist aber, dass der Maier aus dem Dezember 2018 diesen Konter auch hätte spielen können, allerdings wäre hinter ihm ein riesiger Leerraum entstanden. Den hat Lustenberger abgesichert.

Mittelfristig wird Hertha aber doch um ein ausgeprägteres Flügelspiel nicht herumkommen, also die Zentrale anders organisieren müssen. Plattenhardt und Lazaro brauchen Partner. Das bedeutet auch, dass die Doppelspitze eine Ausnahme bleiben wird. Die Sache mit Ibisevic wird hart: er ist für Hertha eine absolute Identifikationsfigur geworden, seine Leistung dieses Jahr ist beeindruckend. Aber es wird an der Zeit, mehr mit Selke zu arbeiten: sein Talent ist zu groß. Mit einem Wort: ich würde mit Ibisevic nicht verlängern. Jedenfalls nicht für den Spielerkader. In jeder anderen Funktion würde ich ihn sehr gern weiter bei Hertha sehen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass er irgendwann ein spannender Trainer wird. Klug genug ist er auf jeden Fall.

Mit dem Heimspiel gegen Wolfsburg beginnt das Februar-Puzzle. Das Tolle ist: es gibt dabei eigentlich keine Teile, die man ungern in die Hand nimmt.

Eingestellt von marxelinho am 2. Februar 2019.

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