09. Dezember 2020

Ärger im Hals

Hertha BSC in der Weltliteratur

Ab und zu finde ich beim Lesen an unerwarteter Stelle eine Erwähnung von Hertha BSC. Neulich war das wieder einmal der Fall. Ich habe zuletzt viel Monika Maron gelesen, und auch etwas über sie geschrieben. In ihrem bislang jüngsten Roman Artur Lanz findet folgende Stelle:

"Vor der Haustür traf ich meinen Nachbarn, der gerade seinen Hund zur nächtlichen Runde ausführen wollte. Für gewöhnlich wechselten wir ein paar Sätze, wenn wir uns begegneten, aber heute winkte er lachend ab, er hätte total schlechte Laune. Hertha hätte mal wieder verloren und obendrein so grottig gespielt, dass der Ärger ihm immer noch im Hals stecke. Wir wünschten uns eine gute Nacht, und ich dachte, dass wir alle irgendwie auch in fremden Leben lebten. Wem genügte schon das eigene?"

In aller Beiläufigkeit ist das doch eine sehr schöne Beschreibung einer blauweißen Fanexistenz. Selbst schlechte Laune wird mit einem Lachen abgetan. Hahohe.

Eingestellt von marxelinho am 9. Dezember 2020.

1 Kommentare

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von Jörg (am 12. Dezember 2020)
Danke für den Hinweis. Ich finde das gut getroffen, aber - als Literatur - eben auch nicht so einfach greifbar. Ist Hertha ein fremdes Leben, in dem man auch leben kann? Ich sehe Hertha mehr als einen heterogenen, grundproblematischen Prozess, der am Ende andere Möglichkeiten der Projektion bietet als das ein fremdes Leben könnte (siehe Gebürtigkeit, Sterblichkeit). Gleichzeitig bin ich erschreckt darüber, wie das gewonnene Derby mit einer unverfügbaren positiven Grundstimmung in meinen Emotionshaushalt eingegriffen hat. :-)