11. März 2018

Dünn ist die Berliner Luft

In der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg mussten Pal Dardai und Michael Preetz eine Frage beantworten. "Braucht Hertha einen Spielmacher?" Sie gaben eine Antwort, die man jederzeit unterschreiben kann: Die Mannschaft ist der Spielmacher. Im heutigen Fußball ist es unzeitgemäß, sich von einem genialen Individuum abhängig zu machen.

Allerdings bleibt dann natürlich die konkrete Nachfrage: Wenn die Mannschaft der Spielmacher ist (und Michael Preetz hat das konsequent bis in die erste Reihe der Spieleröffnung zurück erweitert und auf Mats Hummels als Beispiel verwiesen), ist dann also Karim Rekik ein Spielmacher? Marvin Plattenhardt? Fabian Lustenberger?

Damit haben wir das Problem sehr deutlich vor Augen: Die kollektive Verteilung der Herstellung des Spiels funktioniert nur bedingt. Ein paar sinnlose lange Bälle von Rekik sind nur ein Beispiel für einen Mangel, der in Summe am Samstag zu einem trostlosen torlosen Remis geführt hat. Ein halbe Stunde hat Hertha sich um einen Sieg bemüht, zwei der drei besten Torchancen kamen durch Balleroberungen weit vorne zustande.

Danach kam nichts mehr. Christian Streich, der Trainer des SC, machte die unschuldigste aller Mienen, als er später sagte, "die letzten sechzig Minuten" hätte seine Mannschaft das Spiel gut im Griff gehabt. Auch Pal Dardai räumte recht offen ein, dass Hertha nach einer halben Stunde mit den Bemühungen am Ende war.

Das ist doch ein bisschen früh für eine Bundesligamannschaft, von der es heißt, sie wäre fit. Das bedeutet weiters, dass die Einwechslungen keinerlei Unterschied machten (so war es auch, weder Selke noch Duda noch später Darida fielen auch nur mit positiven Ansätzen auf).

Spielmacher sind Spieler, die ein besonderes Auge haben, allerdings muss ihnen auch etwas ins Auge fallen. Sie können einen Raum bemerken, werden den Ball aber nur in diesen Raum spielen, wenn passend jemand in diese Richtung läuft. Gegen Freiburg gab es bald nur noch wenig Raum, und Hertha lief auch eher darum herum.

Schon in der ersten halben Stunde, als es noch Chancen gab, fiel auf, dass die offensiven Aktionen mehrfach entweder utopisch waren (Doppelpässe, die nicht im Traum zu erreichen waren), oder aber technisch schlampig gespielt (Lazaro nach einer Bemühung von Kalou). Angeblich trainiert Hertha seit einem halben Jahr fast nur offensive Spielzüge - wohin diese "Automatismen" gehen, ist unergründlich.

Vielleicht verschwinden sie dort, wo auch das Selbstvertrauen hin verschwunden ist. Vielleicht aber auch einfach in der Bequemlichkeit, die in Rune Jarstein den primären Orientierungspunkt des Spiels sieht. Fabian Lustenberger ist dafür das markanteste Beispiel, er lässt sich manchmal durchaus zu interessanterem Spiel bewegen (siehe Leverkusen), aber an seiner Generalanlage wird sich nichts mehr ändern: er nimmt jeden Ball so an, dass zuerst einmal ein Pass nach hinten naheliegt.

In der 80. Minute raffte sich die Ostkurve noch einmal kurz auf, aber das "Aufhören, Aufhören" von den bürgerlichen Rängen setzte sich durch. Ich habe nicht gerufen, aber die Lage ist ernst. Gestern hätte es auch nicht gereicht, ein wenig mutiger zu wechseln (wenn Pekarik rausgeht und Hertha auf Dreierfünferkette umstellt, hätte Maier auf dem Platz bleiben können, der zwar auch nicht brillant war, aber immer noch deutlich produktiver als Lustenberger). Die Mannschaft verschafft sich Enttäuschungen, und reagiert dann darauf mit Vorsicht.

Zum Trost kann man allenfalls sagen: Auch das erste Spiel gegen den SC Freiburg war schwach, Hertha hat einen Punkt gemacht, und danach in der Hinrunde noch 14. Die Mannschaft ist schwach, aber die Liga ist nicht viel besser, es geht auch so noch Manches.

Allerdings ist derzeit der Eindruck nicht so leicht von der Hand zu weisen, dass die dreijährige Ausbildungsreise mit Pal Dardai an einen toten Punkt gekommen ist. Sie begann mit einer Rettungskonsolidierung, und wurde seither zu einer Dauerkonsolidiering, die inzwischen Zeichen einer Lähmung erkennen lässt. Die "letzten sechzig Minuten" gegen Freiburg ließen jedenfalls keine Mannschaft erkennen, die sich nach Kräften ein Erfolgserlebnis verschaffen wollte. Oder vielleicht doch nach Kräften, aber dann waren es eben geringe Kräfte. Von einer zweiten Luft war nichts zu verspüren. Die Berliner Luft ist ein Lüftchen - wenig Moos, wenig los.


Eingestellt von marxelinho am 11. März 2018.
Keine Kommentare