Sechzig Jahre sind keine Ewigkeit

Der LASK holt in Österreich seinen zweiten Meistertitel

Vor bald acht Jahren im Sommer 2018 war ich in Linz bei einem Spiel des LASK gegen Lilleström. Ich wollte wieder einmal schauen, wie es dem Klub geht, dem ich in der Kindheit zuerst anhing: dem Linzer Athletik-Sport-Klub (LASK) aus der Landeshauptstadt von Oberösterreich, der Stadt, in der ich das Gymnasium besuchte. Damals war die Gugl, das Traditionsstadion, noch weitgehend so, wie ich sie in den frühen 1970er Jahren zum ersten Mal erlebt hatte. Inzwischen hat der LASK, nach abenteuerlichem Auf und Ab, einer Insolvenz und einem Comeback bis in die erste Liga, ein neues Stadion gebaut, und heute hat er in der österreichischen Liga die Meisterschaft geholt – zum ersten zweiten Mal nach 1965. Damals war ich ein Jahr alt.

Ich bin später nach Wien zum Studieren gegangen, wo mich der SK Rapid zu interessieren begann, noch später nach Berlin, da war ich schon Fan von Hertha BSC, und mit der Verbreitung des Bezahlfernsehens wurde ich auch noch Fan des FC Arsenal und der Premier League. So ist das Leben eben: es reichert sich an.

Hier ein paar Namen des LASK-Kaders der Saison 74/75, als ich noch vollständig im regionalen Universum verhaftet war: die Tormänner Harreither und Schröttner, der Verteidiger Karl Kiesenebner (an Barnabas Liebhaber aus Ungarn, großartiger Name, kann ich mich hingegen nicht erinnern), dann die Mittelfeldstars Kondert, Stöffelbauer und Viehböck, dazu Geza Gallos, das größte Idol dieser Zeit, der in den Listen als Stürmer geführt wird, neben Ernst Knorrek. Einer Saison darauf kam Helmut Köglberger von der Wiener Austria zurück zum LASK, er ist bis heute die größte Legende.

Im 78er-Kader, der wegen der für Österreich denkwürdigen WM in Argentinien (Cordoba!) wichtig war, stand dann schon der Keeper Klaus Lindenberger, neben Kiesenebner verteidigten nun Hans Schmidradner und Gert Trafella, und im Angriff taten sich zwei Legionäre hervor: Nebosja Vučkovič und Miroslav Vukašinović. Fußball bestand damals für uns sehr wesentlich aus einer magischen Ansammlung von Namen, die wir der Zeitung entnahmen, und die wir mit ein paar Minuten Zusammenfassungen am Wochenende und hie und da einem Europacup-Match abglichen.

Trainer des zweiten Meistermannschaft des LASK ist ein auch für mich wichtiger Mann. Dietmar Kühbauer, den ich vor allem vom SK Rapid kenne. In meinen Wiener Jahren gingen wir gern ins damals noch so genannte West-Stadion in Hütteldorf, und häufig rief ich von den Rängen, wenn erforderlich: "Didi, tua was!" Kühbauer war ein kleiner, technisch begabter Spieler mit gutem Auge. Ein Lokal-Maradona, der jetzt in jeder Hinsicht gut dasteht: er ist seit heute über allen Spott und über alle Kritik erhaben, die sich manchmal auf ihn richteten, weil er die eine oder andere Angriffsfläche mit Aussagen und Verhaltensweisen geboten hatte.

Es trifft sich gut, dass mir der LASK den österreichischen Fußball wieder näherbringt. Denn bei der WM in Amerika, die ja bald beginnt, werde ich einen Außenseiter-Hunderter auf Team Austria (Team Rangnick) setzen, die Quoten liegen bei 1:125. Das ist in meinen Augen absurd. Schau ma amoi.

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