05. Februar 2020

Dicht am Ende des Schachtes

Der Weg nach Berlin ist weit und beschwerlich, vor allem, wen man eigentlich schon aus Berlin ist, wie das bei Hertha BSC der Fall ist. Manchmal endet dieser Weg so wie gestern: die Mannschaft von Jürgen Klinsmann blieb im Schacht stecken. Dabei hatte sie das Licht des Viertelfinales schon in Sichtweite. Es ging dann aber doch noch aus.

Ich war vor dem Fernseher dabei, kann deswegen nicht ermessen, in welchem Maß die Atmosphäre vor Ort sich auf die Klassizität der Pokalnacht ausgewirkt hat. Jordan Torunarigha wurde wohl offensichtlich besonders stark davon erfasst, es steht auch der Verdacht der rassistischen Beleidigung im Raum. Daniel Caligiuri hingegen, den ich früher einmal als Herthas Wander-Nemesis bezeichnet habe, machte diesem Titel gestern alle Ehre.

Zur Pause führte Hertha verdient mit 2:0. Da hatte sich die ungewöhnliche Formation ausgezahlt: ein 3-5-2 mit offensichtlichem Akzent auf Konterdynamik und Wucht im Sturmzentrum. Wolf, Piatek und der überraschend aufgestellte Köpke machten alles richtig. Arne Maier spielte vor Skjelbred und Ascacibar, Stark neben Boyata und Torunarigha in der Defensivlinie, Plattenhardt hatte links das weite Land zu betreuen.

Schalke wäre womöglich nie ins Spiel zurückgekommen, hätte Klinsmann nicht in der zweiten Halbzeit Mittelstädt für Plattenhardt gebracht. Der tiefe, rutschige Boden spielte auch eine Rolle. Jedenfalls wurde die linke Defensivseite in Halbzeit zwei zunehmend zu einem Problem. Torunarigha verlor einige Zweikämpfe, in die er überhaupt erst gehen musste, weil Mittelstädt mit der großen Aufgabe, die ein 3-5-2 für den Außenspieler mit sich bringt, nicht gut zurechtkam.

Rechts kam Lukebakio für Wolf, eine weitere Einwechslung, die sich eher negativ auswirkte. Links aber begann das Unheil. Mittelstädt lässt sich von Caligiuri versetzen, Torunarigha kommt ihm nur oberflächlich zu Hilfe, Jarstein lässt sich von einem scharfen Schuss in die kurze Ecke düpieren. Auch das zweite Gegentor entwickelte sich über diese Seite, dieses Mal gab Caligiuri die Vorlage.

In der Verlängerung war Torunarigha schon heiß. Er hatte ein interessantes Spiel gemacht, auch mit offensiven Aktionen, bei einem seiner Läufe geriet er an die linke Seitenlinie, Mascarell trennte ihn unsanft vom Ball, Torunarigha landete im Betreuerbereich von Schalke und rächte sich an einer Getränkekiste. An der zweiten gelben Karte kann man nichts beanstanden, auch wenn er vorher provoziert worden war. Mascarell bekam nicht einmal eine gelbe, dabei ließen einige Einstellungen erkennen, dass er die Schere ausgepackt hatte - es war ein grobes Foul, bei dem er auch Kontakt mit dem Ball hatte.

Hertha spielte auch mit zehn Mann und mit einem Elfmeterschießen als möglichem Ausweg noch nach vorn, das sah heroisch aus, war aber wohl ein wenig naiv. Und es rächte sich, als Raman schließlich einen Konter - nach Ecke Hertha - zum entscheidenden dritten Treffer verwertete, ausgerechnet gegen den schnellen Klünter und den unglücklichen Mittelstädt, und durch die Beine von Jarstein.

Hertha hatte eine Menge zu einer langen und mächtigen Pokalnacht beigetragen, muss aber im Viertelfinale zuschauen. Als Trost können wir mitnehmen: Von den Europacup-Aspiranten aus Gelsenkirchen trennte uns gestern nichts, außer schließlich das Entscheidende, das man nur durch Erfahrungen bekommt. Caligiuri hat alle Erfahrung dieser Liga, Torunarigha und Mittelstädt müssen viele Erfahrungen erst machen. Beide haben das Zeug für weitere lange Wege nach Berlin, und für eine Karriere in Berlin.

Eingestellt von marxelinho am 5. Februar 2020.

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